Über das Buch

Der Sports Romance-Roman „Kick it, Honey“ ist der 2. Teil der Love ’n' Sports-Reihe von Jenna Stean und erscheint am 1. Juli 2021.

Zum Spannungsaufbau bieten wir Ihnen auf dieser Seite bereits den Klappentext, die Cover, Informationen zu den Hauptfiguren sowie diverse Leseproben an.

Daten zu "Kick it, Honey"

Veröffentlichung: 01. Juli 2021 bei Amazon
Seitenzahl: 519 (eBook), 377 (Druck)
Einführungspreis: 0,99 € (eBook), 12,99 € (Druck)
ISBN: 9798510077100

Klappentext

Er ist heiß, verteufelt heiß, aber sie verbrennt sich kein zweites Mal die Finger.

Amy ist eine hervorragende Kickerin. Und das weiß keiner besser als Travis McCants. Weil sein College-Footballteam ihre Hilfe braucht, spricht er sie an. Ziemlich ärgerlich für den sexy Quarterback, dass er eine Absage kassiert. Doch da gibt es Kyle, der Amys Schmetterlinge im Bauch flattern lässt. Sie hat keinen blassen Schimmer, wie sie sein Herz gewinnen soll, zumal sie noch nie ein romantisches Date hatte.

Amy beschließt, Travis ein Angebot zu machen: Wenn er ihr zeigt, wie man das Interesse der Jungs weckt, kickt sie für sein Team. Travis glaubt, sich verhört zu haben. Kein Typ verliebt sich in die kratzbürstige und eigensinnige Amy Tolan. Wird er trotzdem die Herausforderung annehmen, auch wenn er mit eigenen schweren Problemen zu kämpfen hat?

Zurück

Die Cover zum Buch

Amy und Travis - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Amy Tolan, 21 Jahre

Familie:Die Eltern leben in Taunton. Sie ist Einzelkind. Während ihrer Schulzeit hat sie zuerst Fußball gespielt, während der Highschool Football als Kickerin im Special Team. Amy studiert am Boston College Soziologie. Mit dem Sport hatte sie aufgehört, nur manchmal kickte sie aus Spaß ein paar Bälle.

Freunde: Ariana und Kyle

Beziehungen: sie war früher heimlich in Travis verliebt

Charakter: empathisch, zielstrebig, humorvoll, manchmal ein bisschen stur und eigensinnig. Sie hat einen weichen Kern, den sie hinter einer rauen Schale verbirgt.

Äußeres: groß, schlank, blaue Augen, langes blondes Haar

Besonderheiten: Sie will als Mädchen wahrgenommen werden, steht sich aber dabei selbst im Weg.

Zurück

Travis McCants, 21 Jahre

Familie: Die Eltern und seine Zwillingsschwestern Ella und Rose leben in Taunton. Travis ist Captain des Foutballteams, Position Quarterback. Er studiert Betriebswirtschaft am Boston College.

Freunde: Steve, Tito und Curtis

Beziehungen: auf der Highschool einige Monate Dawn, auf dem College friends with benefits

Charakter: zuverlässig, humorvoll, selbstbewusst, hartnäckig

Äußeres: groß, muskulös, blaue Augen, blonde Haare

Besonderheiten: Er hat ein Geheimnis, das ihn alles kosten kann.

Zurück

Kapitel 1 - Amy

Warmes Bier ist gut für den Magen

»Hey Amy«, rief Henry. Er steuerte mit einem vollbeladenen Tablett auf mich zu und reichte es mir ächzend über den Tresen. »Kannst du mal –«
»Die Gläser spülen?«, antwortete ich für ihn und nahm mit einem tiefen Seufzer das Tablett entgegen. Das gefährliche Klirren ignorierend, balancierte ich es wie ein Zirkusartist zur Spüle. Irgendwann würden mir die Gläser herunterknallen, wenn ich von ihm weiterhin dermaßen überladene Tabletts serviert bekäme.
Ich schloss kurz die Augen, während ich durchatmete. Endlich Samstag. Da es schon morgens zwei Uhr war, musste ich nur noch eine Stunde durchhalten. Ich freute mich riesig auf mein Bett. Ich würde heute ausschlafen und am Nachmittag die warme Septembersonne auf der Wiese genießen.
»Hey, nicht träumen, arbeiten«, rief Henry und schnipste mit den Fingern vor meinem Gesicht herum. Sklaventreiber.
Ich funkelte ihn an. »Verrate mir lieber, wann du eine zweite Kraft für die Bar einstellst.« Bevor er sich wieder vom Acker machte, um irgendwo in der Kneipe herumzuwuseln, sollte er mir die Frage beantworten.
»Wieso willst du das unbedingt jetzt wissen?«, stöhnte er.
»Wann soll ich denn sonst fragen?«, erwiderte ich.
»Jaja, ich kümmere mich«, wich er aus. Schnell deutete er zu den drei Typen, die gerade gekommen waren. Offensichtlich hielten sie nach einem freien Tisch Ausschau. »Sorry, Kundschaft.« Schon eilte er davon und ließ mich wieder einmal ohne eine richtige Antwort stehen.
Echt toll, Henry. Knurrend sah ich ihm hinterher. Seit Wochen löcherte ich meinen Chef mit der Frage. Keine Ahnung, wie oft ich ihn noch nerven musste, bis er mir endlich eine zufriedenstellende Antwort gab.
Das Herbstsemester hatte frisch angefangen. Bis zum Sommer war Hayden mit mir im Hockey House angestellt gewesen. Sie hatte ihre Arbeit wirklich gut gemacht. Dann hatte sie vom Boston College ein Sportstipendium erhalten und war im Eiskunstlaufteam aufgenommen worden. Ich hatte mich für sie gefreut, als sie mir von ihrem Glück erzählt hatte, aber das änderte nichts daran, dass ich die ganze Arbeit jetzt alleine an der Backe hatte.
Ich brauche endlich Unterstützung!
Seit zwei Jahren schmiss ich für Henry Yzerman die Bar. Er hatte für mich eine Sondergenehmigung organisiert, weil ich damals erst neunzehn Jahre alt gewesen war – sein Geheimnis, wie er das hinbekommen hatte. Ich war ihm heute noch dafür dankbar. Aber wenn er sich nicht langsam aufraffte und sich um eine Ausschreibung für die freie Stelle bemühte, konnte er seinen Arsch darauf verwetten, dass ich das für ihn übernehmen würde. Oder ich müsste ihm die Kündigung androhen, damit er sich langsam auch um meine Entlastung kümmerte. Der Laden wurde immer voller.
Als ich angefangen hatte, war das Hockey House eine unbedeutende Sportkneipe gewesen. Eine Handvoll Eishockeyspieler hatten hier ihr Bier getrunken, Billard gespielt oder den Sportkanal geguckt.
Irgendwann waren der Captain des Hockeyteams, Dean Manzano, und seine Kumpels hier aufgetaucht. Kaum hatten die Studenten vom Boston College davon Wind bekommen, schwupp, war sämtliches Mobiliar besetzt gewesen. Das hatte sich seitdem nicht mehr geändert. Wobei ich froh sein konnte, dass nur das halbe College sich in der Kneipe herumtrieb. Die andere Hälfte hing im Corelly’s Pub ab, dem Treffpunkt des Footballteams.
Leider war mir zu Ohren gekommen, dass Chip Corelly seine Kneipe aus gesundheitlichen Gründen schließen wollte. Hoffentlich war das nur ein Gerücht, denn wenn die Footballspieler hier auch noch aufschlugen, wäre das der ultimative Albtraum für mich.
Aus zwei Gründen.
Mich würde eine weitere monstergroße Fuhre Stress erwarten und … Ach, drauf geschissen, über den anderen Grund wollte ich mir keine Gedanken machen. Er war für mich im wahrsten Sinne des Wortes ein rotes Tuch. Garantiert würden meine Kopfschmerzen, die ich mittlerweile hatte, zu einer fiesen Migräne mutieren, wenn ich mich nicht sofort ablenkte.
Ich ließ meine Augen einen Moment umherschweifen. Im Hintergrund drang aus dem Woofer YOU von Regard, Troye Sivan und Tate McRae.
Trotz der vielen Arbeit und meinen Bedenken liebte ich die Kneipe. Nur wenige Wochen nach meiner Einstellung hatte ich Henry geholfen, den Laden aufzupeppen, damit er nicht mehr so verstaubt wirkte. Die alten Möbel hatten wir beerdigt und alles neu im Vintage-Stil aufpoliert.
Seit nunmehr anderthalb Jahren konnte man in einem gemütlichen Ambiente klassische Cocktails, Longdrinks oder Bier trinken. Wir hatten auch eine kleine, feine Speisekarte. Wenigstens gab es bei uns eine Küche mit einem Koch. Nicht auszudenken, ich müsste außerdem Henrys Küchenfee spielen. Kochen gehörte nicht unbedingt zu meinen Stärken, ich half nur in absoluten Notfällen aus.
Ich ließ sauberes Wasser in die Spüle, spritzte Reinigungsmittel dazu und fing an, nacheinander die Biergläser über die fest montierte Gläserspülbürste zu ziehen. Keine Fettrückstände durften bleiben, weil sonst die Schaumkronen zusammenfallen würden. Henry achtete mit Adleraugen darauf, dass ich beim Zapfen perfekte weiße Krönchen zauberte.
Am Rande bekam ich Bewegung an der Eingangstür mit.
Jemand schob sich schräg vor mir auf den Barhocker. Eine sinnliche Duftnote nach Rosenholz mit einem Hauch Vanille umwehte meine Nase.
»Hi Amy, krieg ich ein Budweiser?«, hörte ich eine tiefe, sexy Stimme fragen.
Fuck. Ich war gerade dabei, ein Glas durch das Wasser zu schwenken, und hielt mitten in der Bewegung inne.
Wieso hatte ich nicht mitbekommen, dass ER gekommen war?
Oder war es eine Sinnestäuschung, weil ich vorhin an das rote Tuch gedacht hatte?
Bitte, bitte, lass es eine Sinnestäuschung sein.
Vorsichtig äugte ich hoch.
Mist, keine Einbildung, er war es wirklich. Travis McCants.
Verdammt, was macht der Mistkerl hier?
Noch mal verdammt, ich muss antworten.
Amy, schön locker bleiben.
»Budweiser ist aus«, knurrte ich. Für den Quarterback und Captain des Footballteams war alles aus. Der Arsch würde nicht einmal einen Schluck Spülwasser bekommen.
»Bist du immer so nett zu deinen Gästen?«, witzelte er.
»Kannst ja gehen, wenn dir mein Ton nicht passt.«
Kräftig zog ich das Bierglas über die Bürste, ohne Travis eines zweiten Blickes zu würdigen. Wenn ich Glück hatte, haute er ab.
Was er natürlich nicht tat.
»Dann nehme ich ein frisch Gezapftes.« In seiner Stimme klang ein belustigter Unterton mit. Schon spürte ich Hitze in meinem Gesicht, als würden sich seine blauen Augen wie Laser in meine Haut brennen.
Ich stieß geräuschvoll den Atem aus, dann hob ich den Blick. »Verstehst du die Message nicht?« Mit dem Unterarm fuhr ich mir über die Stirn, als würde ich von der Schufterei am Spülbecken den imaginären Schweiß abwischen. »Wieso bist du nicht im Corelly’s Pub? Das ist euer Stammladen.« Ob doch was am Gerücht dran ist, sonst wäre er doch nicht hier?
Ich nahm das nächste Glas und stülpte es über die Bürste. Wild stampfte ich los.
Travis grinste. »Bekomme ich in der nächsten Stunde mein Bier«, neckte er mich, »oder willst du das unschuldige Glas noch eine Weile foltern? Ich hoffe mal, du stellst dir nicht vor, dass ich es wäre.«
Wenn du wüsstest, dachte ich bissig. Waterboarding wäre ein Wellnessprogramm im Vergleich zu dem, was ich mit dir machen würde.
Ich lächelte zuckersüß. »Wenn du dein Bier getrunken hast, wirst du dann deinen Hintern vom Hocker schwingen und die Kurve kratzen?«
Er grinste breiter. »Lass es doch auf einen Versuch ankommen.« Im Gegensatz zu mir schien ihm meine Gesellschaft zu gefallen.
»O-kay.« Mit einem Seufzer zog ich das Glas aus dem Wasser und stellte es zu den gespülten Gläsern. Schnell schüttelte ich den Schaum von den Händen und schnappte mir das Handtuch, um sie kurz abzutrocknen.
Ein einsames, gefülltes Bierglas stand unter dem Zapfhahn. Eigentlich wollte es Henry schon vor mindestens einer halben Stunde mitnehmen, aber aus einem mir unbekannten Grund hatte er es vergessen.
»Hier, macht fünf Dollar«, sagte ich und schob Travis das abgestandene Bier über den Tresen zu. Für ihn reichte es, zum wegkippen war es zu schade.
»Äh … Amy?«
»Was?«
Travis verzog den Mund zu einem Lächeln und zeigte dabei weiße, ebenmäßige Zähne. Und was tat ich? Statt cool zu bleiben, glotzte ich wie hypnotisiert auf sein bescheuertes Grübchen, das mich früher zu oft hatte schwach werden lassen.
Wieso hatten die attraktivsten Typen immer solche süßen Grübchen?
»Also.« Er räusperte sich. »Ich hätte schon gern ein frisch Gezapftes mit einem hübschen Krönchen drauf.«
Alter, echt jetzt. Ich verdrehte die Augen. »Das Fass ist leer, nimm’s oder geh.« Der Kerl raubte mir den letzten Nerv. Merkte er nicht, dass ich auf seine Gesellschaft lieber verzichten würde?
Travis McCants war ein arrogantes, selbstgefälliges Arschloch. Leider musste ich ihn als Kommilitonen am College dulden, aber das Hockey House war mein Reich und ich wollte ihn hier nicht haben. Nicht nach dem, wie er mich damals behandelt hatte. Offenbar litt er unter Gedächtnislücken, denn sonst würde er selbst flink das Weite suchen, statt mir seine widerliche Anwesenheit aufzuzwingen.
Wenn er damals nicht so ein rücksichtsloser Mistkerl gewesen wäre, würde ich wahrscheinlich wie die halbe weibliche Studentenschaft in seiner Nähe dahinschmelzen. Ohne zu zögern, hätte ich ihm eine Flasche eisgekühltes Budweiser geöffnet und sie mit einem hinreißenden Lächeln serviert. Ich hätte alleine eins der riesengroßen Fässer aus dem Keller gewuchtet, nur um ihm das perfekte Bier zu zapfen. Er hätte sogar leckere Nüsschen bekommen. Außerdem hätte ich ihm Henrys schottischen Luxuswhiskey spendiert.
Okay, den teuren Whiskey nicht unbedingt, das wäre übertrieben und ich bekäme mächtig Ärger mit Henry, aber sonst hätte ich alles für Travis McCants getan, nur um etwas von seiner Aufmerksamkeit zu erhaschen. Damals hatte er mich sogar dazu gebracht, dass … Schluss damit, es gab kein uns, das hatte ich mir in meinen dummen Mädchenträumen nur eingebildet.
»Habt ihr wenigstens Cola?« Travis seufzte. »Oder ist die auch nicht mehr im Angebot?«
Seiner Frage schenkte ich keine Beachtung, stattdessen deutete ich fragend zum Glas: »Warum trinkst du das nicht? Lauwarmes Bier ist gut für den Magen.«
»Hab eh keinen Durst.« Er stellte das Glas beiseite und ließ seinen Blick durch den Raum wandern. Dann wandte er sich wieder mir zu. »Nett hier, schicker Laden, gefällt mir.«
»Super, wenn du alles gesehen hast, dann …« Ich rieb die Hände und zeigte zur Tür. »Du weißt ja, wo der Ausgang ist.«
»Amy, ich bin nicht hier, um ein Bier zu trinken.«
»Bist du nicht?«
Travis neigte sich zu mir und deutete mit dem Finger in meine Richtung. »Ich bin wegen dir hier. Es geht um das Footballteam. Wir brau–«
»Stopp.« Sobald er das Wort Footballteam erwähnt hatte, wusste ich, worum es ihm ging, weshalb ich sofort den Arm hob, um ihm klarzumachen, dass er den Mund halten sollte. »Ich habe ewig nicht mehr gespielt«, reagierte ich scharf.
Travis hob abwehrend die Hände. »Ja, das weiß ich, reg dich nicht gleich auf.« Er musterte mein Gesicht. »Du hast nach der Highschool aufgehört.«
»Genau.«
»Nicht mal so aus Spaß gespielt?« Er klang verwundert.
Ich schnappte nach Luft. Dass er es wagte, mir diese Frage zu stellen und dabei so zu tun, als hätte er keinen blassen Schimmer, wieso mir die Lust vergangen war.
»Ehrlich, Amy, ich kann es nicht verstehen, warum du nach der Highschool aufgehört hast. Weißt du noch, das Endspiel im Championship Game?«
Yeah, wie könnte ich das Finish vergessen? Himmel, war das genial gewesen. Ungewollt kam ich ins Schwärmen, als die Erinnerungen an die Highschool-Meisterschaft in meinem Kopf aufploppten.
»Ein krasser Fight gegen die Hopkinton Highschool.« Schmunzelnd schüttelte ich den Kopf. »Wir hatten nur noch fünfzehn Sekunden Zeit gehabt, aber du hast die Nerven behalten und diesen verdammten Touchdown geschafft.«
»Dann kam dein Point after Touchdown.« Travis lachte kopfschüttelnd. »Der Punkt hat uns den Sieg gebracht.«
»Die Mannschaft hat alles gegeben. Es war Teamwork.«
»Du bist nicht nur eine super Kickerin. Ich habe gedacht, du wirst hier in der Frauenfußballmannschaft spielen«, wechselte Travis unerwartet das Thema. »Ich meine, du hast ein Stipendium ergattert. War doch so?«
Ich schluckte angestrengt und starrte Travis an. Ich brauchte ein paar Sekunden, bis ich mich wieder im Griff hatte. »War so geplant«, reagierte ich knapp.
»Du könntest wieder anfangen, wenn du willst.«
»Kein Bedarf«, brummte ich und widmete mich den restlichen Gläsern, wobei ich Travis absichtlich ignorierte. Für mich war das Gespräch beendet.
Wozu mit ihm länger über die Vergangenheit reden?
Er war Quarterback im Collegeteam und bekam ein dickes Stipendium, ich hielt mich mit dem Job im Hockey House über Wasser. Der Coach der Frauenfußballmannschaft hatte damals angefragt und mir das Sportstipendium angeboten. Hätte ich es angenommen, würde ich jetzt auf der anderen Seite des Tresens sitzen.
Herrgott, ich war echt ein naives Ding gewesen.
Wegen Travis hatte ich meine Studienbewerbung ans gleiche College geschickt. Zu der Zeit hatte ich noch keine Ahnung gehabt, dass ich jahrelang einer Illusion hinterhergelaufen war.
Jaja, man konnte sich ruhig über mich lustig machen. Travis war der erste und einzige Kerl, in den ich bis jetzt verliebt gewesen war.
Doch im Gegensatz zu mir hatte es ihn nicht die Bohne interessiert, wo ich studieren wollte.
Jeder an der Highschool hatte gewusst, dass er zu den Playern gehörte.
Er war ein heißer Typ, verdammt attraktiv. Makellose Haut, immer dezent gebräunt. Sein eins-fünfundneunzig-großer Körper verschlug einem die Sprache. Sehnig, mit definierten Muskeln, die Michelangelo nicht hätte schöner meißeln können.
Ich dumme Kuh hatte mich von Travis McCants’ Schönheit blenden lassen. Bis zu dem Moment, als er wieder mit Dawn Morgan abgezogen war. Zu dem Zeitpunkt seine Exfreundin und Cheerleaderin an unserer Highschool.
Um mit ihr zusammen zu sein, hatte er mich abserviert und mir außerdem noch als Sahnehäubchen eine widerliche Lüge aufgetischt.
Mit zusammengepressten Lippen starrte ich ins Spülwasser. Mittlerweile wusste ich, dass es ein Fehler gewesen war, das Sportstipendium abzulehnen.
Aber für mein verletztes Ego hatte es keine Alternative gegeben. Irgendwie musste ich unseren Kontakt auf ein Minimum begrenzen. Ich hatte sogar überlegt, mich an einem anderen College zu bewerben, doch dann hätte ich mindestens ein halbes Jahr wertvolle Zeit verloren. Meinen Eltern hatte ich nicht länger auf der Tasche liegen wollen, also hatte ich in den sauren Apfel gebissen und den Studienplatz angenommen.
Jetzt saß mir im wahrsten Sinne des Wortes dieser saure Apfel gegenüber, nur verspürte ich eher einen ziemlich bitteren Geschmack im Mund.
»Unsere Kicker sind ausgefallen«, durchbrach Travis mein Schweigen. »Und da habe –«
Mein Kopf ruckte hoch. »Eure … was?«, unterbrach ich ihn. Schnell biss ich mir auf die Zunge, um nichts Unüberlegtes zu sagen. »Sorry, tut mir ja irgendwie leid für euch, aber was geht mich euer Kickerproblem an?«
Sein Gesicht war ernst, als er sich durch das blonde Haar fuhr, das natürlich stylisch geschnitten war. Das Deckhaar wuschelig, die Seiten raspelkurz.
»Du bist eine hervorragende Kickerin, Amy, wenn es nicht so dringend wäre, würde ich nicht hier sein, um dich darum zu bitten, für die Eagles zu spielen.«
»Was ist passiert?«
Ein zerknirschter Ausdruck legte sich auf Travis’ Gesicht. »Das war auf einer Verbindungsparty, am Donnerstag.«
»Diese Woche? Also eine Party für die Erstsemester?«
»Mm-hm.« Sein Gesichtsausdruck wurde immer zerknirschter. »Wir waren alle hackevoll und haben einen kleinen Wettkampf gemacht. Wer als Erster den Football hat.«
»Einen Wettkampf, betrunken?« Ich schnaubte kopfschüttelnd. »Was zur Hölle habt ihr euch dabei gedacht?« Warum waren Männer manchmal dermaßen kindisch? »Was ist genau passiert?«, wollte ich wissen.
Travis schenkte mir ein unschuldiges Lächeln. »Ich habe den Football aus dem Fenster geworfen. Collin und Ty wollten vor mir unten sein.«
»Fenstersprung? Echt jetzt?« Das war kein kindisches, sondern idiotisch Verhalten gewesen. Ich atmete tief durch. Solche Vollpfosten.
»Yep, zum Glück erster Stock. Collin hat sich den Unterarm gebrochen, Ty den Mittelfußknochen, mit anderem Scheiß.«
»Autsch, das tut schon beim Zuhören weh.«
»Nichts im Vergleich zum Gebrüll von Coach Gibb. Auf Headcoach O’Neills Anschiss warte ich noch. Der wird vermutlich nicht angenehmer.«
»Ihr habt doch noch Ersatzkicker?« Ich spülte die letzten zwei Gläser, dazwischen warf ich ihm einen prüfenden Blick zu.
Da ich erneut schwieg, fuhr Travis fort. »Du hast einen starken linkes Fuß, gutes Timing, abgesehen von deiner Treffsicherheit und deiner Nervenstärke. Das alles fehlt den Jungs. Schon mit ihren grottenschlechten Kickoffs provozieren sie Punkte für den Gegner.«
»Das sieht schlecht für euch aus. Ich werde nicht für dein Team spielen, egal, wie intensiv du mich beackerst.« Ich lächelte milde. »Suche in der Frauenfußballmannschaft. Wenn du deinen Charme spielen lässt, wirst du dich vor bereitwilligen Kickerinnen kaum retten können.« Bestimmt nicht nur auf dem Spielfeld.
»Mich interessiert die Frauenmannschaft nicht.«
Ich stieß ein Schnauben aus. »Natürlich nicht.« Wer’s glaubt.
Travis’ blaue Augen funkelten mich herausfordernd an. »Du willst dich tatsächlich lieber hinter deinen Büchern verstecken und massenhaft fucking As in den Prüfungen hamstern?«
Ich stemmte die Hände in die Hüften. »Jeder hat andere Prioritäten. Meine sind gute Studienleistungen.«
»Du hast dich verändert, Amy. Früher war Football die Nummer eins auf deiner Prioritätenliste. Ist schon irritierend, dass du zu einer Streberin mutiert bist.«
Er rutschte vom Hocker. »Überleg’s dir nochmal, das Angebot steht. Das College würde dir für die Saison ein gutes Stipendium zahlen und diesen Job«, er zeigte auf das Spülbecken, »müsstest du nicht mehr machen. Abgesehen davon, dass wir ins Finale um die College-Meisterschaft wollen und du somit die einmalige Chance hast, Stammspielerin zu werden.«
Er kramte einen zerknüllten Zehndollarschein aus der Jeans, warf ihn neben das Bierglas und klopfte mit den Fingerknöcheln auf den Tresen. »Gute Nacht, Amy.« Dann wandte er sich ab. Ich starrte ihm fassungslos hinterher. »Wofür ist das Geld?«
Travis drehte sich kurz um: »Für das magenfreundliche Bier«, sagte er mit einem spitzbübischen Zwinkern. »Der Rest ist Tip.«
»Sehr witzig, Idiot«, brummte ich.
Zähneknirschend griff ich nach dem Bier und kippte es in den Ausguss.
Warum musste er mir dieses verlockende Angebot machen, das ich niemals annehmen würde?
Und warum hatte er immer noch diese faszinierende Wirkung auf mich?
Ich rieb mir über die Arme, um die Gänsehaut loszuwerden, die mir jäh bewusst wurde. Hatte ich sie schon die ganze Zeit gehabt?
Mein Herz war genauso ein hinterhältiger Verräter. Da Travis endlich die Kneipe verlassen hatte, konnte es ruhig einen Gang runterschalten.

Zurück


Kapitel 2 - Travis

Keine Bettgeschichte

Curtis kam aus der Dusche, rubbelte sich die Haare trocken und grinste mich an. »Wir sehen uns gleich im Dan’s?« Heute war Montag, Steve hatte Geburtstag und für das halbe Team Plätze im chinesischen Restaurant bestellt.
Früher war das Dan’s eine alte Fabrikhalle gewesen. Cooler Laden, tolles Ambiente. Nachher war für uns All you can eat angesagt. Schon wenn ich an den Abend dachte, lief mir das Wasser im Mund zusammen. Für läppische fünfzehn Dollar konnte man sich grenzenlos vom Buffet bedienen. Wie ich unser Team kannte, würden wir uns hemmungslos die Bäuche mit sämtlichen chinesischen Köstlichkeiten vollschlagen.
Ich ließ mich auf die Bank fallen. »Das Buffet lasse ich mir auf gar keinen Fall entgehen«, sagte ich lachend, beugte mich nach vorn und zog meine Boots hervor. Zuerst streifte ich die Socken über die Füße, dann stieg ich hinein. Das Team war schon gegangen, Curtis und ich waren wie immer die Letzten in der Umkleide. Ich nickte Richtung Gang. »Vorher muss ich noch zum Meeting, danach stoße ich zu euch.«
»Ach ja, das Kickerproblem.« Curtis verzog den Mund.
»Yep«, antwortete ich mit einem Augenrollen. Ächzend hievte ich mich von der Bank hoch.
Nachdem ich meine Jacke übergezogen und den Spind zugeschlagen hatte, griff ich nach dem Schultergurt meiner Sporttasche.
An der Tür wandte ich mich Curtis zu. »Futtert nicht alles weg.«
Er lachte. »Beeil dich lieber, wenn wir dir was übriglassen sollen.«
»Sag das dem Trainerstab«, rief ich ihm beim Herausgehen zu.
Mein Hals fühlte sich trocken an, weshalb ich mir aus dem Getränkeautomaten eine Wasserflasche holte. Ich ließ die Tasche auf den Boden plumpsen. Meine Zunge klebte am Gaumen. Boah, hatte ich Durst. Rasch öffnete ich den Verschluss, legte den Kopf in den Nacken und exte das Wasser ohne abzusetzen.
»Hey Travis.« Mein Quarterback-Coach verließ sein Büro und kam mir entgegen. »Kein Wasser mehr dabei?«, meinte er belustigt.
Ich drehte mich in seine Richtung. »War ein ziemlich krasses Training, alles leer«, sagte ich und wischte mir mit dem Ärmel über den Mund, bevor ich die Flasche im Abfallbehälter entsorgte.
Coach Gibb hatte mich während des Einzeltrainings hart rangenommen. Ein super Gefühl, schon zum Wochenanfang von ihm geschliffen zu werden. Wenn er die nächsten Wochen genauso weiter machte, würde mein Fitnesslevel bald durch die Decke gehen. Aus dem Augenwinkel hatte ich während des Trainings mitbekommen, dass ich nicht der Einzige gewesen war, der bis an seine Grenzen gebracht wurde. Die anderen Spieler hatten genauso intensive Übungseinheiten aufgebrummt bekommen.
Ob es mit unseren verletzten Kickern zusammenhing, sozusagen als Kollektivstrafe?
Immerhin war die ganze Stammmannschaft auf der Verbindungsparty gewesen. Keiner hatte Collin, Ty oder mich aufgefordert, die schwachsinnige Wette abzublasen.
War das verwunderlich? Alle waren hackevoll gewesen.
Schlussendlich trug ich dafür die alleinige Verantwortung, jedenfalls empfand ich es so. Immerhin war ich der Captain unseres Teams. Es war meinerseits keine Glanzleistung gewesen, den Scheiß mitzumachen.
Deshalb war es so wichtig für mich, einen guten Kicker zu finden, um irgendwie meine Schuld am Desaster abzutragen. Erstaunlich, dass das Team mich nach dem ganzen Mist noch immer respektierte, anstatt mich wie den letzten Arsch zu behandeln.
Nach dem Unfall hatte ich mir geschworen, mich nie wieder so danebenzubenehmen und mir auch nie wieder dermaßen heftig die Kante zu geben.
Ob uns die vergangenen gewonnenen Collegemeisterschaften zu Kopf gestiegen waren?
Man könnte es fast glauben und so hatte uns das Karma einen knallharten Tritt verpasst.
»Na komm«, sagte Coach Gibb, als er neben mir stand. »Der Trainerstab wartet bestimmt schon.« Seine Pranke donnerte auf meine Schulter. Der Coach war Mitte vierzig, groß, breit und voller Kraft. Schwarzhaarig mit dichtem Vollbart. Seine braunen Augen funkelten amüsiert, weil beim Aufschlag mein linker Mundwinkel gezuckt hatte.
Verwunderlich?
Mein Körper war ein einziger schmerzender Muskel. Ich erinnerte mich an den Agrarreifen, den ich über das Spielfeld hatte ziehen müssen. Ich war klitschnass gewesen und die Seile hatten mächtig gescheuert.
Ich nahm die Tasche auf. Nebeneinander liefen wir über den Gang. Ich spürte Coach Gibbs Blick auf mir ruhen. Ob gerade mein schlechtes Gewissen der Grund war, dass ich ein komisches Gefühl im Nacken bekam und mir schwindelig wurde?
Wobei das eher ein Selbstbetrug war, wenn ich das glauben würde.
In letzter Zeit hatte ich das öfters. Manchmal wurde mir dabei übel und es kam vor, dass ich dann schnellstmöglich aufs Klo musste, um meinen Mageninhalt in der Kloschüssel zu versenken.
Meistens kämpfte ich dagegen an, versuchte die Symptome zu ignorieren und mir einzureden, dass alles okay wäre.
Aber jetzt war das kribbelnde, steife Gefühl einfach nur widerlich, die Umgebung um mich herum wurde unscharf. Angespannt rieb ich mir den Nacken, dabei kniff ich die Augen immer wieder zu, um wieder klar sehen zu können.
Das Problem war, dass ich schon eine Weile ein flaues Gefühl im Bauch hatte, dass irgendetwas mit meinem Körper nicht stimmte. Ich wusste, dass ich nicht umhinkam, mich durchchecken zu lassen.
Doch bevor ich mich dem Teamarzt anvertrauen würde, wollte ich in Boston einen Spezialisten aufsuchen.
Ehrlich gesagt hatte ich ganz schön Schiss davor.
Aber es könnte auch sein, dass meine innere Stimme viel Lärm um nichts machte und alles halb so wild war.
Trotzdem blieben die Signale verdächtig und ich sollte mich um einen Termin kümmern, am besten gleich morgen.
»Travis, alles okay mit dir?«, hörte ich den Coach fragen. Seine Stimme drang wie durch eine Nebelwand zu mir.
Ich blieb stehen. »Ja, ist gleich vorbei«, presste ich hervor und atmete ein paarmal tief durch, um meinen Körper schnellstmöglich wieder unter Kontrolle zu bekommen.
»War wohl doch ein Tick zu viel heute?«, fragte der Coach besorgt.
»Nein, nein«, widersprach ich. »Ich muss nur meinen Energiespeicher wieder auffüllen, geht schon.«
Ich zwang mich dazu, normal weiterzulaufen, damit der Coach aufhörte, mich argwöhnisch zu mustern.
Mann, warum passiert das gerade in diesem Moment?, dachte ich, schob den Gurt höher über die Schulter und holte aus der Jackentasche ein mit Traubenzucker gefülltes Röhrchen heraus. Ich schüttete mir eine Tablette auf die Handfläche, zitternd warf ich sie mir in den Mund.
»Sie auch?« Ich hielt dem Coach das Röhrchen entgegen.
Er schüttelte den Kopf. »Nein, danke.«
»Okay.« Ich stopfte es in die Jackentasche zurück. Mir ging es erstaunlicherweise schnell besser, als sich der Traubenzucker auf meiner Zunge auflöste.
Vor der Treppe blieb der Coach stehen. Entschlossen packte er meinen Arm.
Ich ahnte, was kam. Nervös spielte ich mit dem Schultergurt.
»Travis, bevor wir zum Meeting gehen, muss ich dich was fragen.«
Ich blinzelte schuldbewusst. »Krieg ich jetzt was übergebraten, wegen Collin und Ty?«
Der Coach strich sich über den Bart. »Ich weiß nicht, ob dir das klar ist, aber der Ausfall unserer Kicker hat uns alle mächtig getroffen.«
Wir stiegen langsam die Treppenstufen hoch.
Ich stieß einen Seufzer aus. »Ich weiß, Coach, wir brauchen dringend mindestens einen neuen Kicker für die Saison.« Ich erinnerte mich an das Gespräch mit Amy im Hockey House. Zu gern würde ich sie für unser Team gewinnen. Doch die freche Wildkatze hatte ihre Krallen ausgefahren und mich auf Abstand gehalten. Mit ihrem abweisenden Verhalten hatte sie mir einen ordentlichen Dämpfer verpasst. Normalerweise gab es keine Frau, die mir widerstehen konnte.
Der Coach atmete schwer aus. »Ja, wir müssen uns um einen guten Ersatz für Ty und Collin kümmern. Aber das ist nicht deine Sorge, sondern die des Trainerstabs.«
Verdammt, die Worte machten mir noch mehr bewusst, was für einen Bärendienst wir dem Team mit unserem Blödsinn erwiesen hatten.
»Es wird schwer sein, einen Kicker zu finden, der mindestens genauso gut ist wie Collin und Ty, der das Spiel, die Situationen fühlen kann.«
Der Coach wiegte den Kopf. »Es wird tatsächlich schwierig sein, so einen Spieler zu finden. Dass unsere besten Kicker gleichzeitig zum Beginn der Saison ausfallen … Damit konnte keiner rechnen.« Er sah mich von der Seite an. »Blöde Wette und ziemlich respektlos gegenüber dem Team.«
Ich zögerte. »Ja, war eine dumme Wette. Wir haben nicht nachgedacht, tut mir leid, ehrlich.«
Als wir oben angekommen waren, blieben wir am Treppenabsatz stehen. Der Coach fixierte mein Gesicht mit strengem Blick. »Wir sind das beste Team der Liga, seit Jahren führen wir die Division I in der NCAA an. Wir geben alles, opfern Freizeit, Familie, Geld.«
»Weiß ich, Coach.«
»Und du willst in die NFL.« Er drückte mir die Faust gegen die Schulter. »Deshalb darf so ein Mist nie wieder passieren.«
Brant Gibb war zwar ein knallharter Trainer, der mich regelmäßig durch die Knochenmühle jagte, aber er wusste, dass es für mich nur ein Ziel gab: Profi zu werden. Ich liebte Football und ich liebte meine Familie, die mich von Anfang an unterstützte, diesen Traum zu verwirklichen.
Das Gleiche wollte ich für sie tun. Alle hatten zurückgesteckt, auch meine beiden jüngeren Schwestern. »Travis, hör mir gut zu«, riss mich Coach Gibb aus meinen Gedanken. Sofort schoss mein Blick zu ihm. Seine Miene verriet die Dringlichkeit seiner Worte.
»Ja, Sir.« Ich hielt die Augen fest auf sein Gesicht gerichtet.
Er umklammerte meine Schulter. »Sei dir bewusst, ihr Spieler seid Teil eines Ganzen. Die Offence und die Defence brauchen die Spezialisten. Wenn ihr als Team nicht funktioniert, ist es mit dem Erfolg schneller vorbei, als du dir vorstellen kannst. Verstehst du, worum es geht?«
Ich schluckte schwer. »Natürlich, Coach. Unsere Mannschaft wird alles dafür tun, damit wir Ende Dezember an den Playoffs teilnehmen und im Januar ins Finale einziehen. Das versichere ich Ihnen.«
Der Coach zog seine Hand weg. »Ich nehme dich beim Wort.« Kurz hielt er inne. »Du kennst dich gut aus, bist mit vielen Sportlern befreundet. Gibt es jemanden, der Ty und Collin vorerst ersetzen könnte?«
Ich biss mir auf die Lippe. »Ähm … Vielleicht wüsste ich jemanden.« Amys Gesicht erschien vor meinem inneren Auge.
»Wer?«
Ich hob die Schultern. »Also, ich arbeite bereits daran. Amy Tolan.« Dass sie mir gestern eine Absage erteilt hatte, verkniff ich mir zu sagen.
Amy war eine harte Nuss, aber ich würde sie knacken.
Bisher war ein Nein für mich nicht mehr als eine Verzögerungstaktik. Das letzte Wort war noch nicht gesprochen.
Irgendwie war das schon merkwürdig. Früher hatte Amy mir nie etwas abschlagen können. Ich hatte keinen Schimmer, warum sie mir gegenüber so abweisend geworden war. Früher oder später würde ich den Grund dafür herausfinden.
»Hmm, Amy Tolan? Irgendwie klingt das nach einer Frau.« Der Coach stutzte. Mit hochgezogenen Augenbrauen starrte er mich an. »Echt jetzt, Travis, du schlägst mir eine Frau vor?«
»Sie ist gut, wirklich gut. Ihre Kickerqualitäten haben uns während der Highschool mehr als einmal den Arsch gerettet.«
»Eine Kickerin in deinem Highschool-Team?« Der Coach tippte mit dem Zeigefinger energisch gegen meine Brust. »Vergiss es! Niemals kann diese Amy Tolan einen unserer Kicker ersetzen.«
»Aber –«
»Nichts aber.« Aufgebracht warf er die Hände in die Luft. »Frauen bringen nur Unruhe ins Team. Mir reicht schon der Stress mit den Cheerleadern.«
Ein Schmunzeln zuckte in meinen Mundwinkel. »Coach, Amy Tolan bringt keine Unruhe. Kein Junge macht sich an sie ran. Die bekommen nur Angst vor ihr, wenn sie schon den Mund aufmacht.«
Misstrauisch sah er mich an. »Ist sie so hässlich?«
»Nein, das nicht. Sie ist irgendwie«, angestrengt kramte ich in meinem Hirn nach den richtigen Worten, »speziell.«
»Eine Zicke?«
»Hmm.« Ich verzog das Gesicht und machte eine abwägende Geste. »Sie ist nicht so der Typ, auf den Jungs abfahren. Ziemlich eigensinnig.«
»Nein.« Der Coach griff nach meinem Arm und bedeutet mir, weiter zu gehen. »Frauen haben bei uns nichts zu suchen, egal, ob sie hässlich, eigensinnig oder speziell sind.«
Wir bogen den Gang nach links ein und folgten dem Stimmengewirr, das durch eine offene Tür zu uns nach draußen gelangte.
Im Raum standen die Tische zur Carréform zusammengeschoben. Wir warfen einen Gruß in die Runde, steuerten zwei freie Stühle an und ließen uns nieder. Ich schob mit dem Fuß meine Sporttasche zwischen die Beine und schaute kurz auf das Handy, bevor ich es ausschaltete, weil Meetings nicht durch Handyklingeln gestört werden durften. Es war fünf Minuten vor sechs Uhr. Meine Kumpels waren vermutlich schon auf dem Parkplatz vor dem Dan’s angekommen. Bei dem Gedanken fing mein Magen hörbar an zu grummeln, meine Finger trommelten unruhig auf die polierte Tischplatte.
Der Coach zog ein Notizheft und einen Stift hervor, legte beides vor sich, dann neigte er sich zu mir. »Hoffentlich dauert das Meeting nicht zu lange, ich habe wie du einen Mordshunger.«
Ja, hoffentlich, antwortete ich still.
Meetings gehörten nicht zu meinen Lieblingsaufgaben als Captain. Ich hatte schnell Hummeln im Hintern und war nicht so der Fan vom Stillsitzen. Da waren die Kurse am College schon nervig genug.
Endlich betrat der Headcoach den Raum. »Guten Abend alle zusammen«, rief er uns zu. Dann warf er seinen Ordner auf den Tisch und setzte sich. Ein Gemurmel von kurzen Begrüßungsworten des Trainerstabs erfüllte den Raum. Ich brummte mein »’n Abend Mr. O’Neill« dazu.
Der Headcoach zog sich den Stuhl dichter an den Tisch heran. Während sein Blick über unsere Gesichter schweifte, räusperte er sich und verschränkte die Finger. Die Augen blieben an mir haften. Am liebsten würde ich auf meinem Platz tiefer sinken. Sein strenger Gesichtsausdruck versprach mir eine nächste Standpauke.
»Eine Sauferei auf einer Verbindungsparty und schon sind wir unsere Kicker los«, richtete er seine erste Ansprache an mich.
Ich presste die Lippen zusammen und nickte bloß.
Was sollte ich darauf antworten?
Den Kopf gewaschen hatte er mir bereits heute früh. Gleich morgens um sieben Uhr hatte er mich zu sich ins Büro zitiert, um mir seine Wut entgegenzubrüllen. Verdient hatte ich es.
»Verflucht nochmal, Travis, wie sollen wir gegen die anderen Teams gewinnen, wenn uns kein einziger fähiger Kicker zur Verfügung steht? Die Saison hat bereits begonnen.«
Coach Paterno, der Koordinator des Special-Teams, ergriff das Wort. »Gibt es keine Möglichkeit, einen Spieler zu verpflichten? Die Jungs werden diese Saison wohl nicht mehr auf den Platz marschieren.«
»Warum sehen wir uns nicht am College um, hier könnten wir vielleicht fündig werden?«, wagte ich vorsichtig einen Vorstoß, wobei ich dabei wieder direkt an Amy dachte.
Ich hörte Coach Gibb unwillig brummen, als ahnte er, was ich mit meiner Frage bezweckte.
»Ich habe das Fußballteam beobachtet. Dort gibt es keinen geeigneten Mann«, lehnte er ab.
»Es muss ja kein Mann sein«, warf ich schnell ein und kassierte von ihm einen Ellenbogenkick.
»Travis, nein.«
Ich lehnte mich zu seinem Ohr. »Warum denn Amy Tolan nicht?«
»Amy Tolan?« Der Headcoach sah mich fragend an. Er beugte sich nach vorn. »Wer ist das?«
Alle Augenpaare richteten sich auf mich. Ich hasste es, in solchen Momenten im Mittelpunkt zu stehen, aber wenn ich schon angefangen hatte, ihren Namen ins Spiel zu bringen, sollte ich meinen Vorschlag erläutern. Daher setzte ich mich aufrecht hin und sagte: »Die Frau war in der Highschool als Kickerin in meinem Team. Sie bringt alles mit, was wir brauchen, und sie ist an unserem College.«
»Travis, ich habe vorhin ganz klar Nein gesagt. Warum bringst du sie wieder ohne Absprache ins Spiel?«, reagierte Coach Gibb aufgebracht.
»Weil sie gut ist, deshalb, Coach«, gab ich entschlossen zurück. Da ich weiterhin die Aufmerksamkeit des Trainerstabs hatte, fuhr ich fort: »Sie kann uns helfen, mit hartem Training wird sie hervorragend spielen.«
Mit festem Blick sah ich in Vince O’Neills Gesicht. »Ich bin mir sicher.«
»Okay, dann werden wir sie zu einem Probetraining einladen. Travis, du kümmerst dich darum«, beschloss der Headcoach und nickte mir zu. Mein Vorschlag schien zumindest bei ihm auf offene Ohren zu stoßen. Die Mienen der anderen Coachs spiegelten dagegen Skepsis wider. Ich konnte nur hoffen, dass ich mich mit meinem Vorschlag nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Ich musste Amy dazu bewegen, an dem Probetraining teilzunehmen.
Einfach würde es nicht werden. Wenn sie das nicht freiwillig machte, müsste ich ihr so lange auf die Ketten gehen, bis sie schlussendlich einknickte.
Ein Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen. Früher hatte ich Amy gern geneckt, damit sie machte, was ich wollte. Und zu meiner eigenen Überraschung freute ich mich auf diese Mission.
Nachdem noch einige Themen besprochen worden waren, entließ uns der Headcoach in den Feierabend. Ich verabschiedete mich eilig, zerrte meine Sporttasche hervor und warf sie über die Schulter. Mein Magen hing mir inzwischen in den Kniekehlen. Ich wollte endlich mit meinen Kumpels Steves Geburtstag feiern.

***

Ungeduldig sprang ich aus meinem schwarzen Ford Ranger und lief mit langen Schritten zum Restaurant. Ich hatte kurz an der Zapfsäule einer Tankstelle gehalten, um zu tanken. An der Kasse hatte ich mich zusammenreißen müssen, die Finger von den Schokoriegeln zu lassen.
Ich ging durch den Eingangsbereich und sah mich um. Das Dan’s war echt schön. Die Backsteinwände waren grau und rot gestrichen, das Dekor dezent. Im gedämpften Licht saßen die Gäste an langen Tischen im dunklen Holzton.
Ein Kellner kam auf mich zu. »Haben Sie eine Reservierung?«
Ich deutete quer durch den Raum, als ich hinten die Jungs entdeckte. »Ich gehöre zu dem Tisch«, erklärte ich, nickte kurz, dann steuerte ich auf meine Kumpels zu.
»Hey Travis, da bist du ja endlich«, rief Steve. Er stieß den Stuhl zurück, stand auf und umrundete den Tisch, um mich zu begrüßen.
»Ich hoffe, ihr habt mir was zu futtern übergelassen«, scherzte ich, während ich ihn in eine freundschaftliche Umarmung zog. »Noch mal herzlichen Glückwunsch, Alter«, sagte ich und tätschelte seinen Rücken. Unser Mannschaftsgeschenk, eine Playstation 5 mit Gaming-Headset und Ladestation, hatte er schon vor dem Training bekommen.
Nachdem ich die restlichen Jungs begrüßt hatte, warf ich meine Jacke über die Stuhllehne.
Das Buffet erstreckte sich über die gesamte Länge einer Wand. Schnell bewaffnete ich mich mit einem großen Teller. Ich hatte so einen Kohldampf, dass meine Beine schon ganz wacklig waren.
Vorsichtig balancierte ich meinen mit Gemüse, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten beladenen Teller zum Tisch und ließ mich zwischen Curtis und Steve auf den Stuhl fallen.
»Hier, gerade bestellt«, sagte Curtis, als er eine Flasche Bier neben meinem Teller platzierte.
»Danke, Kumpel.« Zufrieden nahm ich einen Schluck vom kühlen Bier, dann schaufelte ich los.
»Hat es nochmal Ärger wegen Ty und Collin während des Meetings gegeben?«, erkundigte sich Curtis.
Ich warf einen Blick zu den beiden Kickern, die am anderen Ende des Tisches saßen.
»Nein«, nuschelte ich, kaute und schluckte, bevor ich ergänzte. »O’Neills Anschiss habe ich ja schon heute früh kassiert, Gibbs gleich am Freitag, nachdem der Mist seine Runde gemacht hat. Wir haben über einen möglichen Ersatz gesprochen.«
»Und?« Mit hochgezogener Augenbraue musterte mich Curtis.
»Sie haben keine Idee, wen sie nehmen sollen, daraufhin habe ich ihnen Amy Tolan vorgeschlagen.«
»Wer ist Amy Tolan?« Ein verwunderter Ausdruck huschte über Curtis’ Gesicht.
»Sie spielte früher auf der Highschool in meiner Mannschaft und studiert wie wir am Boston College.« Er schüttelte den Kopf und nahm einen Schluck aus seiner Flasche. »Von der hast du mir nie erzählt.«
Ich schob mir ein Stück Fisch in den Mund. »Wir reden auch schon seit Jahren nicht mehr miteinander – warum auch immer das so ist. Sie gehört zu den besten Kickern, die ich kenne.«
»Wirklich?«
»Ja, du hättest sie damals erleben sollen. Sie kickt dir den Ball dorthin, wo du ihn haben willst.« Ich rollte schwärmerisch mit den Augen. Meine Aussage war kein bisschen übertrieben.
»Stopp mal«, mischte sich Steve ein. »Hast du gerade von Amy Tolan gesprochen? Die Irre spielt Football?«
»Du kennst sie?« Vor Überraschung klappte mir der Mund auf, schnell schloss ich ihn wieder, bevor mir der Fisch herausfiel.
»Amy Tolan teilt sich das Zimmer mit Ariana, mit der ich mal eine Nacht verbringen wollte. Die hat echt einen an der Klatsche. Wie eine Furie ist die auf mich losgegangen.«
»Warum?« Curtis kam mit seinem Gesicht näher zu meinem Teller. »Rück mir nicht auf die Pelle«, brummte ich, schob ihn zurück, um weiterzuessen.
»Als ich dort übernachten wollte, hat die Irre mich, ohne eine Sekunde zu zögern, aus der Bude geworfen, weil sie lernen müsste und keinen Bock darauf hätte, uns beim«, er malte Gänsefüßchen in die Luft, »koitieren zuzuschauen.«
»Die sagt statt vögeln koitieren?«, schnaubte Curtis lachend hervor.
Steve nickte. »Ja, die hat ’nen Knall.«
»Egal wie sie das nennt, aber ihr hättet doch bei dir übernachten können? Wobei koitieren witzig klingt, muss ich mir merken.« Grinsend schüttelte ich den Kopf. Amy war wirklich speziell. Ich hatte sie vor Coach Gibb treffend beschrieben.
»Hallo? Ariana war nicht da und ich saß nackt auf ihrem Bett. Die Tussi kam ins Zimmer, hat mich beschimpft und auf den Flur gezerrt, obwohl ich ihr sagte, dass Ariana gleich zurückkommt. Doch das ist der am Arsch vorbeigegangen. Das Weib hat die Tür zugeschlagen und mir zugerufen, dass ich draußen meine Klamotten finde. Die hat einfach mein Zeug aus dem Fenster gepfeffert.« Steve schnaubte. »Ich hab mit knallroter Birne draußen alles zusammengesammelt, bevor ich den Flitzer gespielt habe. Das war fucking peinlich. Ein Glück war Nacht und keiner in meiner Nähe unterwegs, sonst wäre ich der Lacher des Campus geworden.«
»Du hast dich von einer Frau rauswerfen lassen und deine Ariana hat nichts dazu geäußert?«
»Sie ist nicht meine Ariana. Außerdem hab ich gesagt, sie war nicht da.«
Curtis kicherte. »Kein Wunder, Alter, dass du nie was von der Story erzählt hast.«
Ich wedelte mit einer Garnele vor Steves Gesicht herum. »Du wunderst dich, dass Amy dich aus dem Zimmer geworfen hat? Alter, du warst nackt. Sei froh, dass du nicht noch Ärger wegen was anderem bekommen hast.« Ich sah ihm prüfend ins Gesicht. »Wieso warst du dort allein?«
»Einer von uns beiden musste die Kondome besorgen.«
»Was? Sag bloß.« Curtis fing lauthals zu lachen an und ich stieg in sein Lachen ein. Ich prostete Steve zu und gluckste in die Flasche, bevor ich einen Schluck trank. »Echt jetzt, vögeln wollen, aber die Kondome vergessen, du bist ja der absolute Superstecher.«
Er zuckte mit den Schultern. »Das passiert mir auch kein zweites Mal. Wenn ich mein bestes Stück nicht hätte mit den Händen verdecken müssen, wäre das alles anders verlaufen. Das Weib hätte null Chance gehabt, mich aus dem Zimmer zu manövrieren.«
»Deine Dummheit wurde bestraft. Bist du wenigstens später noch zum Abschuss gekommen?«, fragte ich immer noch lachend und bekam die Szene nicht mehr aus dem Kopf, wie Amy ihn aus dem Zimmer jagte. Ich hätte zu gern Mäuschen gespielt.
Steve klaute mir ein Stück gebackenes Hähnchenfleisch. »Nope, mir war die Lust vergangen. Ich hab das mit Ariana daraufhin gleich gelassen.« Grinsend stopfte er es in den Mund. »Amy Tolan hat ’ne Vollmeise.«
»Klar«, grunzte Curtis. »So einer Mitbewohnerin willst du nicht noch mal unter die Augen treten.« Belustigt sah er Steve an.
Mein Stichwort, weil mir eine Idee kam, wie ich Amy doch noch überreden könnte, für unser Team zu kicken, vorausgesetzt, sie machte beim Probetraining einen guten Eindruck.
Sollte sie bei uns spielen und das Team erfuhr, wie Amy drauf war, würden die Jungs sowieso Abstand von ihr halten. Dass Amy Steve kompromisslos aus ihrem Zimmer geworfen hatte, war eine Nummer, die ich ihr ungesehen zutraute.
Amy war schon früher rigoros bei ihren Entscheidungen gewesen. Ich hatte das an ihr gemocht, weil sie genauso auf dem Spielfeld gewesen war.
Ich spürte einen Hauch Wehmut aufkommen. Irgendwie merkte ich, dass ich sie ein bisschen vermisste. Ich hatte immer gedacht, wir wären Freunde, bis sie dann einfach den Kontakt abgebrochen hatte. Ich würde zu gern wissen, warum.
»In welchem Wohnheim befindet sich Arianas Zimmer?«, erkundigte ich mich, nachdem wir uns von unserem Gegacker erholt hatten.
»Welch Hall, hinter der Rezeption, gleich die zweite Tür links.«
»Gar nicht weit weg von uns.« Seit Semesterbeginn teilte ich mir mit Curtis ein kleines Apartment in der Williams Hall, wo auch ein Teil des Eishockeyteams untergebracht war.
Wir waren froh, dass Mrs. Roenick Mitleid mit uns gehabt hatte. Die Chefin der Wohnheimverwaltung hatte uns die Bude vermittelt. Zwei Schlafzimmer, ein kleiner Gemeinschaftsraum, Küche, Bad. Die Möbel waren alt, aber jeder hatte einen Schreibtisch mit Stuhl, Bett und Schrank. Curtis kam wie ich aus einfachen Verhältnissen. Wir mussten beide unser Geld zusammenhalten.
Vorher hatten wir uns ein Zimmer mit zwei Typen teilen müssen. Der Platzmangel war einfach nur stressig gewesen.
»Willst du in die Höhle des Löwen, um mit der Verrückten wegen der Kickersache zu reden?«, wollte Curtis wissen. Rasch kippte er seinen Rest Bier runter und knallte die leere Flasche auf den Tisch. »Ich kann mir keinesfalls vorstellen, dass die Mannschaft von deiner Idee begeistert ist. Sie ist eine Frau und offensichtlich auch noch zickig.«
Steve hob abwehrend die Hände. »Ich will auf keinen Fall mit ihr spielen. Ein Erlebnis mit der Tussi reicht mir.«
Plötzlich landete eine Gurkenscheibe bei mir. »Hey, sagt mal, worüber redet ihr die ganze Zeit?«, erkundigte sich Tito. »Hast du während des Meetings von O’Neill den Arsch versohlt bekommen?«
Ich warf das Gurkenstück zurück. »Nee, wenn überhaupt jemand ein Spanking bekommt, dann eher du. Ich habe«, mein Blick flog zu Ty und Collin, »dem Trainerstab eine Kickerin vorgeschlagen, damit wir trotz des Ausfallens der Jungs eine Chance haben.«
»Hab ich richtig gehört?« Tito legte den Kopf schräg, die Hand hinter dem Ohr. »Kicker-in?« Die letzte Silbe zog er besonders lang. »Du hast nicht wirklich eine Frau vorgeschlagen?«
»Also, diese Frau«, fing ich mit ernster Miene an, »kenne ich schon viele Jahre –«
»Und zweitens versteht sie sich aufs Verprügeln wehrloser Männer«, rief Curtis lachend dazwischen und zwinkerte in Richtung Steve. »Stimmt’s, Alter?«
»Mann, halt die Fresse«, motzte Steve daraufhin.
»Jetzt mal im Ernst, Leute«, ging ich dazwischen und schlug das Messer gegen meine Bierflasche, damit ich die Aufmerksamkeit am Tisch hatte.
Alle Augenpaare wanderten zu mir, schlagartig war Ruhe.
Wenn schon das Thema angesprochen wurde, dann wollte ich gleich allen verklickern, worüber im Meeting gesprochen wurde.
»Ty und Collin fallen die nächsten Monate aus und wie ihr wisst, benötigen wir dringend Ersatz«, erklärte ich.
»Und da kamst du auf die Idee, bei der Frauenfußballmannschaft Ersatz zu suchen?«, fragte Tito.
»Nein.« Ich schüttelte den Kopf.
»Moment«, kam es von Barry, einem unserer Safeties. »Amy Tolan soll für uns kicken, hab ich das richtig aufgeschnappt?« Amüsiert zog er einen Mundwinkel hoch und fuchtelte mit der Hand in der Luft herum. »Die kennst du woher? Ich hab das alles nicht so genau mitbekommen.«
Ich winkte ab. »Keine Bettgeschichte, wir spielten während der Highschool in einem Team.«
Misstrauisch sahen mich die Spieler an.
Ich räusperte mich. »Wenn sie nicht gut wäre, würde ich sie nicht ins Spiel bringen, okay?«
»Warum auch nicht«, sagte Tito. »Wenn der Trainerstab keine Vorschläge hat, dann schauen wir uns das Mädel mal an.« Er wandte sich unseren beiden Kickern zu. »Wenn sie euren Platz einnehmen sollte, werdet ihr nie wieder solche bescheuerten Wetten machen.«
»Mann, hau noch einen drauf«, meckerte Ty und sah hilfesuchend zu Collin, der entschuldigend die Schultern hob.
»Dämlich war das schon«, bestätigte er und guckte reumütig in die Gesichter der Jungs. »Sorry, dass wir diesen Blödsinn abgezogen haben.«
»War eine dumme Idee«, sagte ich und ergänzte nicht weniger reumütig: »Ich mach das auch kein zweites Mal.«
»Sprich mit ihr, Travis, ich vertraue deiner Meinung«, erklärte Tito. »Nur ihre Kickerfähigkeiten sind wichtig. Wen hat es zu interessieren, ob sie ein Mann oder eine Frau ist?« Sein Blick schweifte umher. »Ist doch so, Männer?«
Ein zustimmendes Brummen der Jungs war die Antwort, nur Steve schaute mich verkniffen an, weshalb ich entschuldigend die Hände hob. Er musste sich der Mehrheit beugen. Ich sah ihn herausfordernd an. Du hast es gehört, bedeutete mein Blick.
Zufrieden über den Ausgang des Gesprächs stand ich auf, um mir eine neue Fuhre vom Buffet zu holen. Ich war nicht der Einzige, der sich Nachschlag holte, bald waren die Schüsseln und Platten leer, neue Gerichte wurden aufgefahren. Die Stimmung war super, wir aßen und tranken, bis der Inhaber des Dan’s zu Steve kam und mit ernster Miene demonstrativ auf seine Armbanduhr tippte. Freundlicher sagte er, dass seine Mitarbeiter schon längst Feierabend hätten.
Als ich mitten in der Nacht vor dem Wohnheim parkte, hatte ich nur einen Gedanken. Ich wollte am Dienstag gleich nach den Kursen Amy aufsuchen.
Dafür würde ich etwas von früher mitnehmen, das sie eventuell überzeugen könnte, sich unserem Team anzuschließen.

Zurück


Impressum - Leseproben

Erste Auflage 2021
Copyright © 2021 by Jenna Stean
Alle Rechte dieser Ausgabe vorbehalten

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung dieses Buches – auch nur Auszüge – sowie die Übersetzung dieses Romans ist nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Dies gilt insbesondere für jede mechanische, fotografische, elektronische und sonstige Vervielfältigung, Verbreitung – auch Auszüge – durch Film, Funk, Fernsehen, elektronischen Medien und sonstige Form von öffentlicher Zugänglichmachung.
Die Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu jedweden Personen sind rein zufällig.

Zurück


Zurück