Über das Buch

Mit dem Release von "TOUCHDOWN - Liebe entscheidet" im März 2020 schloss Jenna Stean zugleich die "TOUCHDOWN - Reihe". Als Nachfolger wird sie im Sommer 2020 die ebenfalls humorvolle Liebesgeschichte „LOVE To The Moon“ präsentieren. Auf dieser Seite geben wir Ihnen erste Einblicke in die Handlung des Romans und hoffen somit, Sie für diesen begeistern zu können.

Zum Spannungsaufbau bieten wir Ihnen hier bereits den Klappentext sowie das eBook-Cover zum Buch. Sind Sie überdies an Leseproben und weiteren Informationen rund um das Buch interessiert, dann abonnieren Sie unseren kostenfreien Newsletter.

Daten zu "LOVE To The Moon"

Release: Voraussichtlich September 2020 bei Amazon
Seitenzahl: 445 (eBook), 330 (Druck)
Einführungspreis: 0,99 € (eBook), 11,77 € (Druck)
ISBN: 979-8650868187

Klappentext

Wir dachten, wir würden uns nie mehr wiedersehen. Und jetzt trennen uns gerade mal drei Meter.

Payton: Wenn ich mit Logan die Wohnung teilen muss, werde ich für mich drei Regeln aufstellen, um mich zu keiner Dummheit hinreißen zu lassen:

1. Ich gehe ihm aus dem Weg.

2. Ich lasse mich von ihm nicht provozieren.

3. Mein Bett ist für ihn für immer tabu!

Payton und Logan waren auf der Highschool ein Paar. Und die erste Liebe wird immer etwas Besonderes bleiben. Jahre später treffen sie sich wieder. Beide studieren am Queens College und benötigen dringend eine Wohnung. Nicht einfach in New York. Jetzt ziehen sie gemeinsam in eine WG und beide müssen erkennen, dass sie sich noch immer stark zueinander hingezogen fühlen. Payton will sich von Logan fernhalten. Und auch Logan lässt Payton nicht mehr an sich heran. Werden sie sie sich weiterhin aus dem Weg gehen? Oder gibt es für die erste Liebe eine zweite Chance?

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Die Cover zum Buch

Ellie und Ray - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Payton Adams, 21 Jahre

Familie: Die Eltern leben in New York und besitzen eine kleine Reinigungsfirma. Quinn studiert am Queens College.

Freundin: Lindsay

Beziehungen: Sie war mit Logan zusammen. Erste Highschoolliebe.

Charakter: zielstrebig, humorvoll, schlagfertig

Äußeres: klein, mittelschlank, braune Augen, langes braunes Haar

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Logan Ward, 21 Jahre

Familie: Die Familie lebt in Pittsburgh. Der Vater hat eine Kanzlei, er ist ein Staranwalt. Logan hat eine Schwester, Addison. Sie lebt in New York. Er ist Mitglied bei den Blooddogs. Logan studiert am Queens College.

Freunde: Dean

Beziehungen: Logan war auf der Highschool Paytons Freund.

Charakter: loyal, humorvoll, selbstbewusst

Äußeres: groß, muskulös, braune Augen, braune Haare

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Kapitel 1 - Logan

Nach einer knallharten Woche auf dem Bau war endlich Freitag und ich freute mich auf das Wochenende. Meine Buddys und ich würden Football spielen, Party machen und bis nachmittags pennen. Es war Mitte August. Nächste Woche begann das neue Semester. Hey, jetzt aber daraus keine falschen Schlüsse ziehen. Es würde nicht für mich, sondern für meinen Bruder beginnen.
Seit zwei Jahren studierte er auf der Michigan State University. Aiden war schon auf der Highschool ein nerviger Streber. Wir ähnelten uns kein bisschen. Trotz dessen zollte ich ihm meinen Respekt. Sein früher Eifer hatte sich ausgezahlt. Die Uni bezahlte Aiden ein fettes Stipendium.
Auch ich hatte letztes Jahr den Highschool-Abschluss geschafft – mit ganz passablen Noten –, aber im Gegensatz zu Aiden hatte ich es vorgezogen, mir gleich einen Job zu suchen. Auf dem Bau verdiente ich ganz gut, und meine Eltern waren froh darüber.
Vor zwei Monaten hatten sie ihren Job in der Schokoladenfabrik verloren – wie einige Leute aus unserem Viertel. Das Unternehmen war pleite gegangen.
Da Mom und Dad fast fünfzig waren, sah es für sie auf dem Arbeitsmarkt eher schlecht aus. Wir brauchten uns nichts vorzumachen. Ihre Chancen tendierten gegen null, einen neuen Job zu finden.
Keine Ahnung, worüber ich mehr verärgert war. Dass reiche Arschlöcher die Firma gegen den Baum gefahren hatten und meine Eltern deshalb arbeitslos waren oder dass ich nicht mehr mit kostenloser Schokolade aus der Fabrik versorgt wurde. Ich war ein Schokoladenjunkie und hatte deshalb unfreiwillig einen kalten Entzug machen müssen. Das klang jetzt vermutlich verrückt, aber mir fehlte für solche Extras das nötige Kleingeld. Einen Teil meines Lohns gab ich Mom, damit sie die Rechnungen bezahlen und unseren Kühlschrank füllen konnte. Der Rest ging für mein Bike und Zigaretten drauf. Außerdem für coole Klamotten, auch wenn man mir das gerade nicht ansah.
Egal, genug über den Scheiß nachgedacht. Ich war um sechs Uhr mit meinen Bros verabredet und spät dran. Nachdem ich die Haustür zugezogen hatte, schob ich meine schwarze Ray-Ban Clubmaster auf die Nase. Ein letztes Mal zog ich an der Kippe, bevor ich sie auf die Straße schnipste und austrat.
Lächelnd schlenderte ich zu meinem Bike: eine Yamaha YZF R6. Die Karre war mein ganzer Stolz.
Gänsehaut rann mir über den Rücken, als ich sie startete. Der Sound meines Bikes klang wie tiefe harte Bassschläge. Nie würde ich mich an dem Motorengeräusch satthören können.
Geschickt fädelte ich mich in den dichten Verkehr ein und beschleunigte. Wie ein Slalomläufer umkurvte ich die langsam fahrenden Autos.
»Was soll das, du Idiot!«, hörte ich hinter mir einen Autofahrer schimpfen. Wie irre begann er zu hupen. Ich drehte mich um und zeigte ihm grinsend den Mittelfinger. Was’n Affe. Über sein sinnloses Gehupe und Gemotze konnte ich nur lachen und schlängelte mich weiter durch die Autos hindurch.
Der Parkplatz auf dem Gelände der stillgelegten Schokoladenfabrik lag neun Meilen vom Haus meiner Eltern entfernt. Wir trafen uns dort mittwochs, freitags und sonntags, um mit anderen Typen Football zu spielen, egal wie abgefuckt das Wetter war. Es müsste schon ein Tornado auf dem Parkplatz wüten, damit wir auf unser Spiel freiwillig verzichten würden.
Seit meinem achten Lebensjahr spielte ich Football. Obwohl ich mittlerweile neunzehn war, faszinierte mich der Sport noch immer.
Früher wollte mich der Chefcoach unserer Highschool trainieren. Ich sollte als Wide Receiver eingesetzt werden. Ich besaß enorme Sprungkraft, konnte sicher fangen und ließ keine Bälle fallen. Außerdem blockte und tackelte ich hart und war verdammt schnell. Aber auf diesen gehypten Highschool-Football hatte ich keinen Bock. Auf der Straße hatten wir unsere eigenen Regeln, nach denen wir spielten.
Wenn ich aber mal genau darüber nachdachte … Spielten wir überhaupt nach Regeln?
Na ja, wir legten sie immer so aus, wie es uns während eines Spiels gerade passte.
An einer Kreuzung musste ich halten. Die Ampel war für meine Richtung auf Rot gesprungen.
Plötzlich hörte ich ein helles Lachen, das über die Motorengeräusche hinweg zu mir getragen wurde.
Ich drehte mein Gesicht nach rechts und suchte mit den Augen nach der Frau, die so ein schönes Lachen hatte.
Sie stand mit ihrer Freundin vor einem Eiscafé. Ich kaute auf der Unterlippe, beobachtete, wie sie ihr Eis genoss. Holy fuck. So dürfte sie mich mit ihrer Zunge gern abschlecken. Das sah echt heiß aus.
»Hey Süße!«
Sie schien nicht zu begreifen, dass ich sie meinte.
»Du, mit dem gelben T-Shirt!«
Irritiert schaute sie mit großen Augen in meine Richtung.
»Kann ich dein Eis haben?«, fragte ich frech.
Sie starrte mich weiter sprachlos an.
Ich hob die Hand und winkte ihr zu, damit sie verstand, dass sie zu mir kommen sollte. Uns trennten höchstens fünf Meter.
Ihr Mund klappte auf und sie schnappte nach Luft. Die Stirn in Falten gelegt, fuhr sie mich an: »Kauf dir gefälligst dein eigenes Eis!« Sie legte den Kopf leicht schräg und betrachtete mich. »Und ein paar anständige Klamotten.«
Ich lachte. »Warum? Mach doch kein Drama draus. Ich lade dich morgen auf ein Date ein und du bekommst ein neues Eis spendiert und mich dazu, wie aus dem Ei gepellt.«
»Ein Date mit dir? Vergiss es«, rief sie kopfschüttelnd und lachte.
Schau an, sie ist nicht auf den Mund gefallen. »Sicher?«, vergewisserte ich mich. »Du hast keine Ahnung, was dir entgeht.«
»Ich bin mir absolut sicher, dass ich kein Date mit dir will«, erwiderte sie mit einem süßen Grinsen im Gesicht.
Okay, Pech gehabt. Eigentlich war sie ganz hübsch. Groß, schlank, mit schulterlangen braunen Haaren. Ich wäre tatsächlich nicht abgeneigt gewesen, sie zu daten, wenn sie gewollt hätte.
Die Ampel schaltete auf Grün. »Schade«, rief ich ihr und ihrer Freundin zu und zuckte mit den Achseln. »Habt einen schönen Tag, Ladys.« Ich wandte den Blick wieder nach vorn, ließ den Motorsound meines Bikes kräftig dröhnen und brauste davon.

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Kapitel 2 - Logan

WELCOME TO NEW YORK, las ich auf dem Willkommensschild.
Ich war in der Megacity angekommen. Aufregung machte sich in meinem Bauch breit. Keine Ahnung, was mich in dieser Stadt erwarten würde.
Ich konzentrierte mich auf den Verkehr. Die freundliche Frauenstimme des Navis sagte mir, wo es langging. »In achtzig Metern links abbiegen«, gab sie den Ton an.
Okay, dann hör ich mal auf dich. Ich setzte den Blinker, schaltete in den zweiten Gang hinunter und folgte ihrer Anweisung, dann legte ich den dritten Gang ein, gab Gas und fuhr geradeaus. Die Straße war voll, ich blinkte, um mich auf die linke Spur einzufädeln, schaltete wieder einen Gang höher und gab noch mehr Gas.
Plötzlich klingelte mein Handy. Es lag in der Mittelkonsole. Ich kramte es unter Brieftasche, Zigarettenpackung und Feuerzeug hervor und warf einen schnellen Blick auf das Display. Addison rief mich an. Meine linke Hand ruhte auf dem Lenkrad, während ich mit der rechten den Lautsprecher anschaltete.
»Hi Addison, solche Sehnsucht, dass du mich jetzt schon anrufst?«, witzelte ich und ein Lächeln huschte über mein Gesicht. Ich hatte meine Schwester unglaublich gern und war gespannt, ob sie sich in den letzten sechs Monaten verändert hatte. Wir hatten uns eine Weile nicht gesehen.
»Spinner.« Addison lachte. »Erst mal hallo, Logan. Wie lange brauchst du noch?«
Ich reckte den Kopf. Es war eine Menge los, halb New York schien auf den Beinen zu sein, so voll wie die Straßen waren. »Das kann ich nicht genau sagen. Der Verkehr ist … Na, du kannst es dir bestimmt denken.«
»Ich weiß«, seufzte sie. »Der tägliche Wahnsinn. Ist nun mal Freitag.«
Ich rollte stöhnend mit den Augen. »Schlimmer als das.«
»Ja, vermutlich.« Ich hörte sie glucksen, dann wurde sie ruhig und atmete tief durch. »Du, Logan?«, setzte Addison an, ihre Stimme klang vorsichtig.
»Hm?«
Einen Moment schwieg sie. Ich konnte mir direkt vorstellen, wie sie auf der Lippe kaute. Das hatte sie früher immer gemacht, wenn ihr etwas auf den Nägeln brannte.
Addison räusperte sich, wartete, als müsse sie erst einmal Anlauf nehmen, um mir ihre Frage zu stellen. »Wie haben Mom und Dad reagiert, als du ausgezogen bist?«
Mit der Antwort ließ ich mir Zeit. »Wie wohl?«, sagte ich und zuckte mit den Schultern, obwohl sie es nicht sehen konnte. »Sie wollten wissen, wo wir wohnen und ob sie uns nächstes Wochenende besuchen können.«
»Also waren sie stinksauer?«
»Ja, so in etwa haut es hin.«
Ich sah rechts eine Lücke, gab Gas, überholte einen Honda, quetschte mich vor ihm rein und bremste ab. Der Typ in dem Wagen machte ein Dauerhupkonzert. »Dann fahr nicht wie ’ne Schnecke«, murmelte ich. Die nächste Straße musste ich rechts abbiegen. Noch ungefähr dreißig Minuten, dann war ich in Queens.
»Ach, Logan, bevor ich es vergesse. Du sollst heute Abend bei Mateo vorbeischauen.«
»Dein Ex, bei dem ich arbeiten kann?«
»Genau, er will dich kennenlernen. Bis zehn Uhr ist er in der Werkstatt, hat er gemeint.«
»Wieso sagst du es mir jetzt, wo ich mich durch den New Yorker Verkehr quäle?« Ich lachte kopfschüttelnd. Typisch Addison. Informationen mussten immer gleich weitergegeben werden. »Ja, schon, kennst mich doch«, kam prompt ihre passende Antwort.
Ich schmunzelte. »Stimmt, Papier und Stift wurden noch nicht erfunden.«
»Haha. Du bist ein blöder Sprücheklopfer.«
»Hättest du doch aufschreiben können, wenn du Angst hast, es zu vergessen. Habe ich recht oder habe ich recht?«
Addison brummte und sagte dazu gar nichts mehr. Ich zog sie gern auf.
»Na gut, Logan. Ich bereite uns zum Abendbrot einen Salat vor. Magst du dazu ein gegrilltes Steak?«
»Nein, Salat reicht. Ich werde mir heute Abend ein paar Läden anschauen und vielleicht unterwegs eine Kleinigkeit essen.« Im Moment hatte ich keinen Appetit auf was Schweres. Der kalte Abschied von zu Hause füllte meinen Magen genug.
Die Ampel vor mir schaltete auf Rot. Ich hielt und beendete das Gespräch.
Nachdem ich das Handy wieder ausgeschaltet hatte, schaute ich nach links. Neben mir stand ein Ford Maverick.
Ich ließ meine Augen über den olivgrünen Wagen gleiten. Ein älteres Modell, sah man selten. Erschrocken schnappte ich nach Luft, als mein Blick bei der Fahrerin angekommen war.
Nein. Nicht sie. Nicht diese Frau.
Doch, sie war es. Payton Adams.
Himmelherrgott, was machte sie hier?
Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken, mein Herz schlug hart gegen meine Brust, und schlagartig war mein Mund staubtrocken.
Valerie hatte mir damals erzählt, Paytons Familie wäre nach Baltimore gezogen. Was, zur Hölle, hatte sie dann in New York zu suchen?
Ich riss die Tom Ford von der Nase, kniff zwei Mal die Augen zusammen, starrte wieder zu ihr.
Nein, kein Zweifel. Die Frau im Wagen war eindeutig Payton. Ihr langes karamellbraunes Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Flüchtig sah sie in meine Richtung. Sie schien mich offensichtlich nicht wahrzunehmen, denn sonst würde ihr Gesicht irgendeine Reaktion zeigen. Eindeutig. Ich erkannte Paytons samtbraune Augen. Payton wiegte den Kopf, ihr Pferdeschwanz wippte zwischen den Schulterblättern und ihre Lippen bewegten sich. Offensichtlich trällerte sie einen Song. Payton hatte früher schon gern gesungen. Absolut schief, ohne einen Ton zu treffen, doch das war ihr immer egal gewesen.
Fuck, ich hatte ihre Stimme trotzdem geliebt, wie ich alles an ihr geliebt hatte. Aber seit dem Tag, an dem sie grundlos mit mir Schluss gemacht hatte, konnte ich meine Gefühle nicht abstellen. Es hatte über ein Jahr gedauert, bis ich die Trennung einigermaßen verkraftet hatte. Nach ihr hatte ich mich nur auf flüchtige Beziehungen eingelassen, nie etwas Ernstes, denn so einen Scheiß wollte ich kein zweites Mal durchmachen.
Die Ampel war auf Grün gesprungen und Payton fuhr los. Ich rührte mich nicht, stattdessen verfolgten meine Augen ihren Wagen. Sie blinkte nach links und bog ab. Ich stand an der Ampel, hinter mir wurde gehupt und geflucht. Ich schluckte, schaute mich wirr im Wagen um. Kupplung? Gas?
Verdammt, mein Hirn war wie leergefegt. Ich saß wie ein blutiger Anfänger hinter dem Lenkrad und wusste nicht, wie ich schalten sollte. Nicht einmal die freundliche Navistimme konnte mir helfen. Neben mir klopfte jemand an die Scheibe.
Hastig drehte ich meinen Kopf zum Geräusch.
»Hey, Dude, alles in Ordnung mit dir?« Ein dunkelhaariger Typ schaute mich misstrauisch an.
»Was … Ja, sorry.« Ich lächelte verlegen. Scheiße, ich hielt den ganzen Verkehr auf.
Er sah noch immer zu mir und wartete. Mit Nicken und Handzeichen gab ich ihm zu verstehen, dass ich weiterfahren würde. Ich beobachtete den Typen durch den Rückspiegel. Er stieg in den Wagen hinter mir ein. Blitzschnell lenkte ich meine Augen wieder nach vorn auf die Fahrbahn, mein vor Sekunden noch donnernder Herzschlag wurde langsamer und ich konnte mich sammeln. Gang einlegen, Gas geben. Ich war okay. Der Pick-up schoss nach vorn.
O fuck! Ich hatte auf die Ampelschaltung nicht geachtet. Erschrocken schnappte ich nach Luft. Ist es zwischenzeitlich wieder Rot geworden? Hektisch sah ich mich um.
Nein, anscheinend nicht. Puh, das hätte mir noch gefehlt. Erleichtert atmete ich auf. So durch den Wind war ich schon lange nicht mehr gewesen. Zum Glück hatte mein geistiger Aussetzer keinen Crash verursacht.
Den Rest der Fahrt passte ich auf, die Kontrolle über mich kein zweites Mal zu verlieren. Dass mich Paytons Anblick nach über drei Jahren so durcheinanderbringen konnte, war kein gutes Zeichen. Ich hoffte, dass es ein einmaliges Erlebnis war. Payton war nur noch ein Schatten aus meiner Vergangenheit. Und das sollte sich auf gar keinen Fall ändern.

***

Addisons Stimme drang durch die Sprechanlage zu mir herunter. »Logan, warte, ich komme und helfe dir mit dem Gepäck.« Bevor ich ihr widersprechen konnte, erklang ein Summen, und ich drückte die Haustür mit dem Rücken auf.
Damit der Eingang offenblieb und ich gleich alle meine Sachen holen konnte, stellte ich den Umzugskarton auf den Boden und schob ihn gegen die an die Wand gedrückte Tür.
»Wow, was du alles mitgeschleppt hast«, rief Addison, während sie die letzten fünf Treppenstufen herunterhüpfte. Ich musste schnell die Arme hochreißen. Quiekend sprang sie mir entgegen und umklammerte meinen Hals. Ich genoss die Umarmung und drückte sie fest an mich. Addison schien sich kein bisschen verändert zu haben. Ihre Augen leuchteten, sie war voller Energie.
Einen Augenblick erinnerte ich mich an den Tag ihres Auszugs. Das war einer meiner schlimmsten Tage gewesen. Ich war glücklich, dass wir endlich wieder zusammen waren.
Addison löste sich aus der Umarmung und deutete nach draußen. »Hast du einen Parkplatz in der Nähe gefunden?«
Ich zeigte mit dem Daumen nach rechts. »Ja, ein paar Meter von hier.«
»Das ist gut.« Sie lachte vergnügt, und obwohl ich protestieren wollte, schnappte sie sich meine beiden Taschen und stieg die Treppe hinauf. »Vier Stockwerke«, schnaufte sie. »Fast ein bisschen Sport.«
»Dann lass doch alles unten stehen, statt meinen ganzen Kram zu schleppen«, schlug ich vor.
»Ach was«, sagte Addison lachend. »Ein bisschen Bewegung tut mir ganz gut.«
Die hohen Stufen waren schon ziemlich ausgetreten, dass es ein kleiner Kraftakt war, die schweren Kartons und mein sonstiges Gepäck nach oben zu tragen.
Nachdem mein ganzer Kram vor Addisons Tür stand, schloss sie auf und wir betraten die Wohnung. »Viel Platz habe ich nicht, aber für uns beide reicht’s.«
Ich winkte ab. »Ist ja nur für höchstens drei Monate, dann habe ich bestimmt eine günstige Bleibe gefunden.«
»Ich hoffe es für dich. Ich hatte Glück, dass ich die Wohnung von einer Arbeitskollegin übernehmen konnte, die zu ihrem Freund gezogen ist.«
Addison arbeitete in einem Buchladen. Ein Grund, warum es ständig Streit mit meinen Eltern gegeben hatte. Wir waren nicht die Kinder, die sie gern gehabt hätten. Wenn Dad könnte, würde er Valerie adoptieren. Die Tochter seines Partners studierte Jura und besaß alle Eigenschaften, die er bei uns vermisste.
Ich stieß einen innerlichen Stoßseufzer aus, als ich an sie dachte. Die Frau und ihre debile Begeisterungsfähigkeit für Gesetzeskommentare, Paragraphen und Repliken.
Valerie West strebte nicht nur ein einfaches Diplom, sondern einen Doktortitel an. Wie ich sie kannte, würde sie ihn mit Summa cum Laude schaffen. Alles was sie tat, benötigte eine Bestnote. In meinen Augen war sie krankhaft ehrgeizig. Und wie es sich für eine zukünftige Anwältin gehörte, arbeitete sie neben dem Studium jede freie Minute in der Kanzlei mit.
Es gab eine Zeit, da hatte sie sich noch für etwas anderes begeistert. Mich. Sie hatte mich angebaggert, nachdem sich Payton von mir getrennt hatte. Sie war perfekt, schön wie ein Model. Groß, hübsche Titten, blondes schulterlanges Haar und graugrüne Augen. Ein einziges Mal hatten wir uns geküsst, wenige Tage nach der Trennung von Payton. Den Kuss würde ich nie vergessen. Im negativen Sinne. Valerie hatte weniger Gefühl in diesen Kuss gelegt als ein kalter Fisch, weshalb mir sofort klar gewesen war, dass es ein Fehler wäre, wenn wir es miteinander versuchen würden. Im Gegensatz zu ihr konnte ich mich für sie nicht begeistern. Und ich hatte es nur zu diesem Kuss kommen lassen, weil Payton mit mir Schluss gemacht hatte. Ich war damit nicht klargekommen.
Ich sah mich neugierig um. »Hast du die Wohnung so übernommen?«
»Nein.« Addison schüttelte den Kopf. »Ich habe alles renoviert.«
»Wow.« Ich verzog anerkennend den Mund. »Respekt, Addison.« Die Wände waren hell gestrichen, der Fußboden aus dunklem Holz. Die Möbel wirkten bunt zusammengewürfelt, aber das störte mich nicht. Hier konnte man sich wohlfühlen.
Addison strahlte mich an. »Einen Teil der Möbel habe ich einfach auf der Straße entdeckt.« Sie zeigte auf die vier verschiedenen Stühle am Esstisch. »Die fand ich zum Entsorgen zu schade. Ich habe die Besitzer gefragt, ob ich sie mir mitnehmen dürfte.«
»Du hast Möbel auf der Straße eingesammelt?«
»Na und?« Addison lachte. »Komm mit, ich zeig dir dein Zimmer.« Ich folgte ihr über den Flur nach hinten. Sie machte es spannend. »Ta-da!« Langsam öffnete sie die Tür. »Los, schau dich um!«
Ich trat vor ihr ein. Meine Augen schweiften umher. Das Zimmer war klein. Bett, Regale, Schrank, Tisch und Stuhl. Aber alles sauber, sogar eine Pflanze stand neben dem Fenster.
»Ist bescheiden. Gefällt es dir?«
»Super, wirklich nett.«
»Na ja, ich habe nicht die Kohle, um alles neu zu kaufen.«
Ich nahm Addison in die Arme und drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel. »Yeah, ist cool. Ich fühle mich bei dir wie zu Hause. Aber ich hätte auch auf der Couch geschlafen.«
»Nee, lass mal. Du nimmst das Zimmer. Wenn du studierst, brauchst du Ruhe.« Addison klang entschieden.
Nachdem wir die kurze Besichtigungstour beendet hatten, bereitete sie den Salat vor und ich fing an, mich im Zimmer einzurichten. Da ich ihr Schlafzimmer besetzte, nahm ich mir vor, so schnell wie möglich eine eigene Wohnung zu suchen.
Nachdem Bücher, Schreibkram, elektronische Geräte und alte Sportpokale aus den Umzugskartons ausgepackt waren, holte ich meine beiden Reisetaschen und stellte sie aufs Bett. Ich öffnete sie und fing an, die Klamotten in den Schrank zu sortieren.

Nach dem Abendessen ging ich ins Bad. Ich stellte das Wasser an, zog mich aus und stieg unter die Dusche. Zur Wand gedreht, stützte ich mich mit den Händen an den Fliesen ab und senkte den Kopf. Der warme Wasserstrahl prasselte auf meine Schultern.
Schlagartig beherrschte Payton erneut meinen Kopf.
Das war aber auch krass. Die erste Person, der ich in der neuen Stadt begegnete, war Payton. So wie es aussah, lebte sie in New York.
Wie auf Kommando kehrten Erinnerungen zurück. Wir waren vierzehn. Payton und ich beim ersten Date. Unser erster Kuss. Unser erstes Mal. Sie war meine erste Freundin gewesen und ich ihr erster Freund. Ihre Liebe bis zum Mond. Meine Liebe zehn Meter weiter. So hatten wir es beschrieben, als wir uns mit fünfzehn unsere Gefühle füreinander gestanden hatten. Am Ende dann ein Bombeneinschlag.
Ich hob den Kopf, das Wasser stürzte auf mein Gesicht. Die Erinnerungen schwemmte es nicht weg. Das schaffte auch nicht das Duschgel, mit dem ich mich einseifte.
Ich drehte das Wasser ab, schnappte mir ein Handtuch und stieg aus der Dusche. Gründlich trocknete ich mich ab, die Haare waren zu lang und blieben feucht. Früher trug ich sie kurz, jetzt reichten sie mir bis zum Kinn. Ich mochte es, wenn Frauen beim Sex an meinen Haaren zogen. Das Handtuch schlang ich mir um die Hüften, die Boxershorts landeten im Wäschekorb.
Im Flur traf ich Addison. Sie hatte sich mit zwei Freundinnen verabredet. Meine Schwester wäre zu Hause geblieben, wenn ich gewollt hätte. Immerhin war es mein erster Abend in New York. Aber sie musste auf mich keine Rücksicht nehmen. Queens wollte ich sowieso allein erkunden. Der Bezirk schien hübsch zu sein. Wie ich bei der Fahrt bemerkt hatte, gab es hier viele Grünflächen. Addison sagte mir, dass die Mieten in Queens fast so erschwinglich wie in Brooklyn wären und deshalb viele Leute hierherzogen. Die Nachfrage nach Wohnungen war groß, ein Umstand, der meine Suche schwieriger machen würde.
»Deinen Schlüssel habe ich dir auf den Esstisch gelegt. Vergiss deinen Termin mit …«
»Mateo nicht. Ich weiß«, unterbrach ich sie. »Schönen Abend!«
»Okay.« Addison lachte und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. »Bye, Logan. Wir sehen uns zum Frühstück.« Dann verließ sie die Wohnung. Ich hörte ihre Schritte, als sie die Treppe hinabstieg. Unten schlug die Tür zu. Im Gegensatz zur Villa unserer Eltern war das Haus verdammt hellhörig.

***

»Also du bist Addisons Bruder und willst für mich arbeiten?«, begrüßte mich Mateo. Er war zwar der Exfreund meiner Schwester, aber wie es aussah, hatten die beiden auch nach der Trennung ein gutes Verhältnis. Knapp vier Monate waren sie zusammen gewesen.
Er wischte sich seine öligen Finger an einem Tuch ab und machte eine ausschweifende Handbewegung. »Komm, ich zeig dir die Werkstatt und wir besprechen deinen Lohn und die Arbeitszeiten. Wenn du willst, kannst du gleich anfangen. Ich brauche dringend Unterstützung. Ein Auftrag muss heute noch fertigwerden und ich habe eine Menge Papierkram zu erledigen.«
»Ähm …« Verlegen kratzte ich mir die Stirn. »Ich habe keine geeigneten Klamotten dabei, sonst wäre es kein Ding und ich könnte mitarbeiten«, erklärte ich. In den Fingern kribbelte es schon. Zu gern würde ich an einem der Autos herumschrauben.
»Klamotten?« Mateo verpasste mir einen Klaps auf den Rücken. Er musterte mich von Kopf bis Fuß. »No hay problema. Wenn es dich nicht stört, von mir was anzuziehen, dann hätten wir das Problem gelöst.« »Klar, gib mir was von dir und ich lege los.«
Mateo hob und senkte die Hände. »Langsam, langsam«, sagte er und grinste. »Erst einmal regeln wir das Vertragliche. Ich will von Addison keineswegs zu hören bekommen, dass ich ein Schlitzohr bin.« »Bist du eins?« Ich grinste ihn an.
»Sí.« Er zwinkerte. »Zumindest, wenn du Addison fragen würdest.« Seine Augen leuchteten, als er von ihr sprach.
»Ihr versteht euch?«
»Hmmm … Sie ist heiß und ich bin ein … Nun ja …« Er lachte und hob die Hände. »Mexicano. Wir sind wie Feuer und Benzin, eine zu explosive Mischung.«
»Ach so? Ich dachte eigentlich, dass mexikanische Frauen viel Temperament besitzen?«
Mateo schnalzte mit der Zunge. »Oh, da kennst du deine Schwester schlecht. Sie hat mehr Temperament als ein Dutzend mexikanische chicas.« Er zwinkerte, und ich presste die Lippen zusammen. Über Addisons Temperament wollte ich mit ihrem Exfreund keinesfalls sprechen. Es gab so ein paar Sachen, da brauchte ich kein Kopfkino.
Wir hatten uns in Mateos Büro zurückgezogen. Ich erzählte ihm, welche Kenntnisse ich über Autos hatte und was ich alles reparieren konnte. Wir einigten uns auf eine zweiwöchige Probezeit. Ich würde fünfzehn Dollar die Stunde bekommen. Da ich schon meinen Studienplan hatte, sprachen wir ab, dass ich nach dem College mittwochs und freitags jeweils vier und an meinen freien Samstagen acht Stunden bei ihm arbeiten würde. Wenn ich zusätzlich Zeit hätte, könnte ich Über-stunden machen. Ich war zufrieden, denn der Lohn war okay und ich käme finanziell zurecht.
Mateo legte die Füße auf den Schreibtisch, kreuzte die Knöchel und lehnte sich gegen die Lehne seines Drehstuhls. Geduldig wartete er, bis ich den Vertrag durchgelesen und unterschrieben hatte. Ein Exemplar behielt ich und steckte es in meinen Rucksack, bevor wir das Büro verließen. Mateo zeigte mir einen alten Toyota Corolla. Er erklärte mir, was alles repariert werden musste.
Nachdem ich mich umgezogen hatte, machte ich mich an die Arbeit. »Hey, Mateo, wie weit bist du mit meinem Wagen?«, hörte ich jemanden über mir rufen.
»Bin fast fertig.« Ich rollte unter dem Toyota hervor, erhob mich vom Rollbrett, um den Kunden zu begrüßen. Mateo war im Büro, um Rechnungen zu schreiben.
Ich sah jetzt genauso ölverschmiert wie mein Chef aus, die Hand konnte ich dem Kunden nicht reichen.
Der Typ musterte mich einen Moment schweigend. Er räusperte sich. »Logan?«
»Äh, ja?« Ich zog die Augenbrauen zusammen und studierte ebenso das Gesicht meines Gegenübers.
»Ich glaub’s ja nicht, du bist hier … In New York?«
Ich reagierte achselzuckend. Irgendwie stand ich auf dem Schlauch.
»Erkennst du mich nicht?« Der Typ zeigte an sich herunter.
Langsam dämmerte es mir. Ich hatte ihn aufgrund des Hipster-Bartes und den kurzen blonden Haaren nicht wieder-erkannt. Früher sah er wie ein Surfertyp aus. Breites Grinsen und langhaarig.
»Scheiße, Dean, du?« Wie irre war das denn? Nach Addison und Payton das dritte bekannte Gesicht und das an meinem ersten Tag in New York. Unglaublich!
»Ja, Mann, ich fass es nicht, was machst du denn hier?«
Dean schien es egal zu sein, dass ich verdreckt war. Ohne zu zögern, zog er mich in eine Umarmung. Wir waren schon Freunde auf der Highschool gewesen, hatten uns aber nach dem Senior-Jahr aus den Augen verloren, nachdem er wegen des Studiums weggezogen war. Jetzt fiel es mir wieder ein. Klar, er hatte damals gesagt, dass er nach New York wollte. Die Welt war echt klein.
»Ich bin zu meiner Schwester gezogen.«
»Weg von der Familie? Hätte ich nicht erwartet, dass du dich von deinen Alten loseisen könntest.« Hätte ich genauso wenig gedacht.
»Hey, Logan, wenn du magst, könnten wir ein Bier trinken gehen. Ich zeig dir einen netten Laden. Wir dürfen uns nicht ein zweites Mal aus den Augen verlieren.«
Der Gedanke gefiel mir. »Gern, Mann, ich muss nur noch einen festgerosteten Stehbolzen austauschen, dann bin ich mit deinem Auto fertig und habe Feierabend.«
»Okay, wo ist Mateo? Dann gehe ich zwischenzeitlich die Reparatur bezahlen.«
Ich deutete nach hinten. »Du findest ihn im Büro.«
»Passt ja. Er wird vermutlich die Rechnung schon geschrieben haben.« Dean lächelte mich an, bevor er sich abwandte. Er schien sich wirklich zu freuen, mich zu sehen.
Ich sah ihm hinterher. Mir erging es wie ihm. Es war ein gutes Gefühl, dass wir uns hier trafen.
Ich begab mich zum Werkzeugschrank, um den passenden Bolzen herauszusuchen, bevor ich mich wieder unter den Wagen schmiss.

***

Dean und ich. Wir waren beste Bros, hatten uns gegenseitig Tipps gegeben, wie man bei den Mädels landen konnte. Wir hatten Streiche ausgeheckt, heimlich gemeinsam das erste Bier getrunken, den ersten Joint geteilt. Wir waren nicht wie Frauen, die stundenlang am Handy hingen, sodass nach Deans Umzug leider der Kontakt eingeschlafen war.
Wir bezahlten, nahmen unsere Flaschen vom Tresen und setzten uns an einen freien Tisch am Fenster. »Scheiße, dass du jetzt in New York bist. Wirst du hier studieren?«
»Ja, am Queens College. Chemie und Englisch.«
»Nein!« Dean riss die Augen auf. »Ich studiere dort Betriebswirtschaft und Sportmanagement.«
»Quatsch, oder?«
»Kein Quatsch. Du und ich auf einem College …« Dean hob die Flasche. »Das ist der Hammer!«
»Ja, echt cool.«
»Auf eine geile Zeit!« Dean nickte grinsend und wir stießen auf die abgefahrene Situation an. Meine Augen wanderten über sein Gesicht. »Du hast dich äußerlich total verändert, weißt du?«
»Ja, du aber auch.« Dean trank einen Schluck. »Also, erzähl mal, wie geht’s dir?«
Ich lehnte mich zurück. »Soweit ganz gut.«
»Ich habe die ganze Zeit gedacht, du studierst Jura. Da es zwischen dir und Payton aus war, habe ich angenommen, du bist mittlerweile mit diesem arroganten Weib verlobt, dieser …« Er schnippte mit Daumen und Mittelfinger. »Miss Ich-bin-was-Besseres-als-du.« Er kniff ein Auge zusammen und wackelte mit dem Zeigefinger. »Los, Logan, hilf mir mal auf die Sprünge, wie war ihr Name?«
»Valerie West.«
Dean rieb sich lachend über den Kopf. »Genau, die Bitch meine ich.«
Ich zuckte mit den Achseln. »Ich bin weder das eine noch das andere«, sagte ich. »Meinen Eltern habe ich verklickert, dass ich Englisch und Chemie studiere und keinen Bock auf die Kanzlei habe.«
»Und anscheinend auch keinen Bock auf Miss Stock-im-Arsch.«
»Nee, auf die erst recht nicht.«
»Versucht hattest du es kurzzeitig mit ihr?« Dean zwinkerte mir zu. »Ja, ziemlich kurz. Irgendwie wollte ich mich von Payton ablenken, weil sie mit mir Schluss gemacht hat.«
»Payton … Ja, tat mir echt leid damals, Dude.« Er sah mich forschend an. »Du bist über sie hinweg, oder?«
Ich trank einen Schluck Bier, bevor ich nickte. Dass ich geschockt war, als sie neben mir an der Ampel gewartet hatte, verkniff ich mir. »Hast du was von ihr gehört, lebt sie vielleicht hier?«, fragte ich und tat so, als ob die Frage beiläufig wäre.
Dean verzog den Mund. »Die Stadt ist riesig, weiß nicht.«
Amüsiert sah er mich an und wechselte das Thema. »Und du arbeitest seit heute bei Mateo? Stellt er echt einen Typen mit zwei linken Händen ein?«
»Zwei linke Hände? Hey, pass auf, was du sagst!« Ich machte auf beleidigt.
Dean grinste mich an. »Du hast schon immer gern an den Karren unserer Kumpels herumgefummelt. Jedes Mal, wenn ich bei Mateo war, habe ich an dich gedacht. Was du so machst …«
»Ja, ging mir ähnlich, ich dachte oft an früher.«
»Jaxon studiert ebenfalls in New York.«
»Wo?«
»Am Brooklyn College.«
»Das gibt’s doch nicht, dass halb Pittsburgh in New York ist.«
»Jaxon und ich ziehen zusammen. Wir haben vor zwei Tagen eine Wohnung klargemacht. Gestern bekamen wir die Zusage. Vier Zimmer.«
»Was?« Ich richtete mich auf. »Sind alle Zimmer schon vermietet?«
Dean sah mich entschuldigend an. »Leider ja, jedenfalls für die Männer, die Frauen haben morgen Besichtigungstermin. Dann bewirbt sich Jaxons Freundin um eins der freien Zimmer. Er hat ein gutes Wort für sie eingelegt. Die Vermieterin steht offensichtlich auf Gleichberechtigung: Zwei Frauen, zwei Männer. Sorry, wir konnten ja nicht ahnen, dass du nach New York kommst.«
»Das ist scheiße«, murmelte ich und atmete tief durch. Enttäuscht presste ich die Luft aus. »Aber schön für euch.« Ich schwieg. Einen Augenblick hatte ich gehofft, das Glück wäre auf meiner Seite.
Dean leerte die Flasche. Er sah mich an und machte eine beschwichtigende Geste. »Pass auf, Logan, wir schauen uns mit Jaxon und seiner Freundin um. Wenn wir etwas Neues in Aussicht haben, ziehen wir vier zusammen, was denkst du?« Er neigte den Kopf seitlich und wartete auf eine Antwort.
»Klar, wenn das klappen würde, wäre ich sofort dabei.«
»Super, dann hole ich uns schnell noch zwei Bier.«
Er stand auf, nahm mir meine leere Flasche ab und ging zum Tresen.
Bis Mitternacht saßen wir zusammen, redeten über unsere Zeit an der Highschool, quatschten über irgendwelchen Blödsinn, den wir verzapft hatten, und tauschten Neuigkeiten über Verwandte und Kumpels aus.
»Wie sieht’s aus, gehen wir morgen feiern?«, fragte mich Dean. Wir waren auf dem Weg zu unseren Autos.
»Wohin?«
»Auf eine Verbindungsparty oder in einen Club, ist noch nicht entschieden.«
»Klingt gut, ich bin dabei.«
»Super, ich rufe dich an, wo und wann wir uns treffen.«
»Alles klar.«
Bevor wir uns verabschiedeten, tauschten wir unsere Handynummern aus.
Dean war schnell losgefahren, ich blieb einen Moment im Pick-up sitzen und rauchte eine Zigarette. Dann startete ich den Motor und dachte daran, wie schön es wäre, eine eigene Wohnung zu haben. O Mann, es wäre ein großes Stück Freiheit.

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Impressum - Leseproben

Komplett überarbeitete Neuauflage von Mia und Niklas – Keine Liebe ist auch keine Lösung, erschienen 2018. In dieser Story sind Ort, Handlung und Charaktere neu.
Copyright © 2020 by Jenna Stean
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Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung dieses Buches – auch nur Auszüge – sowie die Übersetzung dieses Romans ist nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Dies gilt insbesondere für jede mechanische, fotografische, elektronische und sonstige Vervielfältigung, Verbreitung – auch Auszüge – durch Film, Funk, Fernsehen, elektronischen Medien und sonstige Form von öffentlicher Zugänglichmachung.
Die Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu jedweden Personen sind rein zufällig.

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